Es ist eine Nachricht, die Schwerin erschüttert hätte — wenn es noch genug Einzelhändler gäbe, die sie lesen könnten. Ab dem 15. März dürfen Geschäfte in Mecklenburg-Vorpommern unter gelockerten Regeln auch sonntags öffnen. Die Landeshauptstadt reagierte zunächst mit dem, was sie am besten kann: Abwarten.
„Wir begrüßen die Neuregelung grundsätzlich“, erklärte Dirk Feddersen, Schwerins Dezernent für wirtschaftliche Grundversorgung und stationäre Nostalgie, bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz im leeren Erdgeschoss der Marienplatz-Galerie. „Allerdings müssen wir erst klären, ob die betroffenen Geschäfte überhaupt noch existieren.“
Drei Läden signalisieren verhaltenes Interesse
Eine erste Bestandsaufnahme der Stadtverwaltung ergab, dass von den einst 127 Einzelhandelsgeschäften in der Schweriner Innenstadt noch 34 in Betrieb sind — ein Trend, den die Stadt bereits zum Weltkulturerbe anmelden wollte — — wobei „in Betrieb“ großzügig ausgelegt wurde. Vier davon sind Apotheken, die ohnehin Notdienste haben, elf sind Bäckereien, die bereits sonntags öffnen, und beim Rest handelt es sich überwiegend um Handyshop-Reparaturläden mit unklaren Öffnungszeiten.
Auf die Frage, welche Geschäfte konkret am verkaufsoffenen Sonntag teilnehmen würden, verwies Feddersen auf eine „noch laufende Interessenbekundung“. Bislang hätten sich drei Geschäfte gemeldet: ein Schlüsseldienst am Marienplatz, das Kaufhaus Kressmann sowie ein Laden für Stickbedarf in der Schelfstadt, der allerdings seine Zusage an die Bedingung knüpfte, dass „mindestens ein Kunde verbindlich zusagt“.
„Sonntags öffnen ist ja schön und gut. Aber wenn ich montags bis samstags zusammen elf Kunden habe, frage ich mich schon, wer am siebten Tag kommen soll. Der Heilige Geist?“
Inge Kröpelin, Inhaberin von „Inges Nähparadies“, Schelfstadt
Kressmann sieht sich als Gewinner
Einzig das Kaufhaus Kressmann zeigte sich von der Neuregelung begeistert. „Das ist unsere Chance, uns endgültig als Sonntagsziel für die ganze Familie zu positionieren“, ließ die Geschäftsleitung verlauten. Man plane für den ersten verkaufsoffenen Sonntag ein „Event-Konzept“ mit Live-Musik im Erdgeschoss — konkret: Heinz-Dieter Mewes (78) an der Heimorgel — sowie einer Modenschau der Frühjahrskollektion 2019, die „noch ausreichend auf Lager“ sei.
Die Stadtverwaltung hatte unterdessen bereits vorsorglich ein Verkehrsleitkonzept für den erwarteten Besucheransturm erarbeiten lassen. Die Kosten für das Gutachten beliefen sich auf 43.000 Euro. Das Ergebnis: Es wird kein Verkehrsleitkonzept benötigt.
Kritik kam vom Einzelhandelsverband Westmecklenburg. „Die neue Regelung geht an der Realität vorbei“, erklärte Verbandssprecher Torsten Lüdeke. „Wir brauchen keine verkaufsoffenen Sonntage. Wir brauchen verkaufsoffene Werktage. An manchen Dienstagen laufen hier mehr Tauben als Menschen durch die Fußgängerzone.“
Oberbürgermeister-Vertreter Bernd Nottebaum ließ sich mit den Worten zitieren, die Sonntagsöffnung sei „ein positives Signal für den Einzelhandelsstandort Schwerin“. Auf Nachfrage, ob er selbst am Sonntag in der Innenstadt einkaufen würde, antwortete er: „Ich fahre eigentlich immer nach Lübeck.“
Die Stadtverwaltung prüft derzeit, ob die für den ersten verkaufsoffenen Sonntag geplante Eröffnungsfeier mangels teilnehmender Geschäfte in eine Gedenkveranstaltung für den Schweriner Einzelhandel umgewandelt werden kann.
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