Die Landeshauptstadt Schwerin hat am Freitag bekanntgegeben, was aufmerksame Bürger seit Jahren vermuten: Die gesamte Stadt wird offiziell zur Großbaustelle erklärt. Mit über 12 Millionen Euro sollen 2026 Straßen, Geh- und Radwege in nahezu allen Stadtteilen gleichzeitig aufgerissen werden. Da ohnehin kein Stadtteil verschont bleibt, habe man sich entschlossen, den bürokratischen Aufwand zu reduzieren und einfach die komplette Stadt als zusammenhängende Baumaßnahme zu führen. Erfahrung hat die Stadt damit: Erst kürzlich wurden 30 Straßen gleichzeitig gesperrt.
„Es ergibt schlicht keinen Sinn mehr, einzelne Baustellen zu genehmigen, wenn die Fläche dazwischen kleiner ist als die Baustelle selbst“, erklärte Dezernent für Infrastrukturelle Selbstauflösung Rainer Baggermann bei einer Pressekonferenz, die wegen einer Straßensperrung ins Parkhaus am Marienplatz verlegt werden musste.
Baustellenausweis ab dem 1. April Pflicht
Kernstück der neuen Verordnung ist der sogenannte Baustellenausweis, den alle Schweriner ab dem 1. April bei sich tragen müssen. Das laminierte Dokument im Scheckkartenformat berechtigt zum Betreten des eigenen Stadtteils und enthält eine persönliche Umleitungsempfehlung. Die Gebühr beträgt 38 Euro, ermäßigt 19 Euro für Anwohner die nachweisen können, dass ihre Straße bereits seit über drei Jahren aufgerissen ist.
Ich fahre seit 2019 jeden Morgen eine andere Route zur Arbeit, weil immer irgendwo gesperrt ist. Jetzt krieg ich wenigstens offiziell eine Empfehlung, wo ich langfahren soll. Das ist eigentlich ein Fortschritt.
Heiko Trampe, 52, Pendler aus Lankow
Die Stadt rechnet mit Einnahmen von rund 3,7 Millionen Euro durch die Ausweise, die direkt in die Beschilderung der Umleitungen fließen sollen. Allein für das Aufstellen von Umleitungsschildern, die auf andere Umleitungen verweisen, seien bereits 800.000 Euro eingeplant.
Touristen erhalten Tagesbaustellen-Visum
Für Touristen, die Schwerin weiterhin besuchen möchten, soll es ein Tagesbaustellen-Visum für 5 Euro geben. Es berechtigt zum Durchqueren von maximal drei Baustellen und enthält einen QR-Code, der zur aktuellen Umleitungskarte führt. Die Tourist-Information werde entsprechend umgebaut und künftig als „Baustellen-Infopunkt“ firmieren.
„Die meisten Touristen kommen ohnehin nur für das Schloss und sind nach zwei Stunden wieder weg“, räumte Stadtsprecherin Inge Vollsperrung ein. „Mit dem Visum können wir wenigstens noch 5 Euro mitnehmen, bevor sie merken, dass der Weg zum Schloss gerade nicht existiert.“
Die NVS hat bereits angekündigt, den Straßenbahnverkehr „kreativ anzupassen“. Konkret bedeutet das: Linie 1 fährt nur noch donnerstags, Linie 2 endet ab sofort am Hauptbahnhof statt am Klinikum, und die Linien 3 und 4 werden zu einer „Überraschungslinie“ zusammengelegt, deren Route täglich per Los entschieden wird. Insider vermuten, dass die NVS ohnehin plant, den ÖPNV komplett abzuschaffen.
Oberbürgermeister-Stellvertreter Bernd Nottebaum soll die Maßnahme als „mutigen Schritt in Richtung Transparenz“ bezeichnet haben. Man habe jahrelang so getan, als gäbe es in Schwerin noch befahrbare Straßen. Damit sei nun Schluss. Die Ehrlichkeit fühle sich befreiend an.
Der Baustellenausweis kann ab dem 1. April im Bürgerbüro beantragt werden, sofern das Bürgerbüro bis dahin nicht ebenfalls wegen Bauarbeiten geschlossen ist. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt laut Stadtverwaltung bei „realistischen 60 Prozent“.
Schwerin ist Geil auf WhatsApp
Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.
Jetzt Kanal abonnierenKostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar
