Infrastruktur

Schwerin chippt 30.000 Mülltonnen — weil die Stadt ihrem eigenen Abfall nicht mehr traut

Schwerin hat ein Vertrauensproblem. Nicht mit der Politik, nicht mit dem ÖPNV, nicht mit dem Wetter — nein, mit seinen Mülltonnen. Denn die stehen einfach so rum. Unkontrolliert. Ohne Identität. Wie Geister der Abfallwirtschaft.

Das ändert sich jetzt: Rund 30.000 Papier- und Restmülltonnen in der Landeshauptstadt werden in den kommenden Wochen mit elektronischen Chips ausgestattet. Sogenannte Transponder — das klingt nach Raumschiff Enterprise, ist aber Schwerin 2026.

Die Tonne weiß jetzt, wer sie ist

Die Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen (SDS) erklären es so: Die Chips sollen „Verwechslungen ausschließen und die Abrechnung erleichtern“. Offenbar war Mülltonnen-Identitätsdiebstahl in Schwerin ein größeres Problem, als man dachte. Wer kennt es nicht — man kommt von der Arbeit, und plötzlich steht eine fremde Restmülltonne auf dem Grundstück. Pure Anarchie.

„Durch die Chips kann genau erfasst werden, welche Tonne wann und wo geleert wurde.“ — SDS Schwerin, über das, was sich wie der Plot eines Überwachungsthrillers liest, aber eigentlich Müllabfuhr ist.

Ab Ende Februar rückt ein Montageteam an, das die gesamte Stadt mit Transpondern bestückt. Vorher bekommen Hausbesitzer Post mit Adressaufklebern, die sie bitte auf ihre Tonnen kleben sollen. Richtig gelesen: Man muss seiner eigenen Mülltonne einen Namenssticker verpassen. Wie im Kindergarten. Nur dass der Kindergarten hier 30.000 Tonnen umfasst.

Biotonnen: Die Überflieger unter den Behältern

Übrigens: Die Biotonnen sind seit zehn Jahren schon gechippt. Zehn Jahre lang hatten die Biotonnen eine digitale Identität, während Restmüll und Papier wie analoge Hinterwäldler durch die Straßen gerollt wurden. Man könnte sagen: Die Biotonne war in Schwerin schon smart, als die Stadtverwaltung noch gefaxt hat.

Ab 1. Juni gilt dann: Keine Leerung ohne Chip. Tonnen ohne Transponder bleiben stehen. Man fragt sich, ob es auch eine Amnestie-Regelung gibt — für Tonnen, die den Termin verpasst haben. Oder ob die dann als illegale Müllbehälter gelten.

Die SDS betont: Das neue System hat „keinen Einfluss auf die bisherige Gebührenerhebung“. Das klingt beruhigend. Es klingt aber auch genau wie das, was man sagt, bevor man die Gebühren erhöht. Aber hey — zumindest weiß die Tonne dann, wer sie ist. Das ist in Schwerin schon mal mehr, als manche Wahlkandidaten von sich behaupten können.

Quellen: NDR, tagesschau

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