Die Landeshauptstadt Schwerin steht vor einem historischen Moment: Ein nordrhein-westfälisches Unternehmen will auf einer verwilderten Bahnbrache in Görries einen der größten Batteriespeicherparks Norddeutschlands errichten. Hunderte Megawattstunden Energie sollen dort künftig gespeichert werden — in einer Stadt, in der die Stadtwerke gerade erst den Strom um sechs Prozent gesenkt haben — mehr, als die gesamte Schweriner Bevölkerung an einem durchschnittlichen Dienstagabend aufbringen kann.
Die Nachricht schlug in der Landeshauptstadt ein wie ein Blitz in einen Pfaffenteich voller Enten: Jemand will tatsächlich Geld in Schwerin investieren. Und zwar nicht in ein weiteres Pflegeheim oder eine Bushaltestelle, sondern in etwas mit dem Wort „Zukunft“ im Konzept. Die Stadtverwaltung brauchte nach eigenen Angaben drei Tage, um zu verifizieren, dass es sich nicht um eine Verwechslung mit Schwerin an der Warthe handelt.
Verwilderte Bahnbrache wird Hightech-Standort — Schwerin kennt sonst nur die umgekehrte Richtung
Das Gelände in Görries, auf dem der Speicherpark entstehen soll, ist seit Jahren eine verwilderte Bahnanlage. Dass ausgerechnet dort Zukunftstechnologie hinkommt, könnte als Metapher für die Stadt selbst gelesen werden: Erst muss alles komplett verfallen, bevor jemand von außerhalb eine Idee hat. Immerhin: Beim Solarpark auf zehn Hektar hat das ja auch geklappt — da waren die Zauneidechsen allerdings begeisterter als die Anwohner.
Wir sind begeistert. Endlich wird in Schwerin Energie gespeichert. Bisher wurde hier vor allem Resignation gespeichert, und davon hatten wir mehr als genug.
— Detlef Kramp, Dezernent für Infrastrukturverzögerung (fiktiv)
Die Anlage soll Windstrom aus der Region zwischenspeichern und bei Bedarf wieder abgeben. Schweriner Bürger könnten sich das Prinzip so vorstellen: Man bewahrt etwas Wertvolles auf, um es später zu nutzen — ähnlich wie die Stadt es mit ihren jungen Menschen versucht hat, nur dass die Batterien nicht nach Hamburg abwandern.
Besonders pikant: Das investierende Unternehmen kommt aus Bünde in Nordrhein-Westfalen. Eine 18.000-Einwohner-Kleinstadt, die es offenbar schafft, Firmen hervorzubringen, die anderswo Großprojekte realisieren. In Schwerin, der Landeshauptstadt mit 98.308 Einwohnern, realisiert man derweil, dass der Kaffeeautomat im Rathaus schon wieder kaputt ist.
Kritiker befürchten: Batteriespeicher könnte mehr Aufmerksamkeit bekommen als das Schloss
Nicht alle sind begeistert. Aus dem Stadtmarketing soll die Sorge geäußert worden sein, dass ein funktionierendes Infrastrukturprojekt vom eigentlichen Alleinstellungsmerkmal der Stadt ablenken könnte. Man habe jahrelang daran gearbeitet, Schwerin als „Perle am See“ zu positionieren — nicht als Stadt, in der tatsächlich etwas passiert.
So ein Batteriespeicher könnte schiefe Signale senden. Die Leute könnten denken, hier tut sich was. Dann kommen die her, und die Enttäuschung ist umso größer, wenn sie merken, dass die letzte der legendären vier Straßenbahnlinien um 22 Uhr fährt.
— Karin Wellbrock, Beauftragte für Erwartungsmanagement (fiktiv)
Auch am Pfaffenteich wird das Thema bereits kontrovers diskutiert. Ein Rentner, der dort seit 14 Jahren täglich die Enten füttert, soll angemerkt haben, dass er persönlich mehr Energie in die Versorgung der Schwäne stecke als die gesamte Stadtverwaltung in die Innenstadtbelebung. Er sei aber optimistisch: Wenn der Speicher erstmal stehe, könne man vielleicht endlich die Straßenbeleuchtung am Südufer reparieren, die seit 2019 ausfällt.
Der Batteriespeicherpark soll in den kommenden Jahren realisiert werden. Die Stadt Schwerin prüft derweil, ob man das Wort „Energie“ irgendwo in den Stadtslogan einbauen kann — sofern die zuständige Arbeitsgruppe bis 2028 zu einem Ergebnis kommt.
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