Kultur

Schwerin bekommt Bronze-Rabbiner auf dem Schlachtermarkt — mit erhobenem Zeigefinger

Schwerin bekommt ein neues Denkmal. Auf dem Schlachtermarkt soll künftig eine 1,60 Meter große Bronzefigur des ehemaligen Landesrabbiners William Wolff stehen — mit erhobenem Zeigefinger, als wolle er den Passanten sagen: „Ihr habt das gerade falsch gemacht, aber ich sag’s nett.“

Zwölf Jurymitglieder, ein Gewinner, neun enttäuschte Bildhauer

Die Bildhauerin Anna Martha Napp aus Lübow hat den Realisierungswettbewerb gewonnen. Ihr Entwurf setzte sich gegen neun weitere Beiträge durch — ein Verhältnis, das ungefähr dem Erfolg eines durchschnittlichen Förderantrags in MV entspricht. Eine zwölfköpfige Jury kürte den Sieger am 16. März 2026. Kulturdezernent Silvio Horn lobte die Entscheidung, was bei Jurymitgliedern üblich ist, die selbst in der Jury saßen.

„Wir brauchen unsere Mitmenschen wie das Brot auf den Tisch.“ — William Wolff, künftig auf dem Sockel nachzulesen.

Die Skulptur zeigt Wolff „lebensnah und nahbar“ — verschmitzt, mit Güte und Lebensweisheit. In der Jackentasche trägt die Figur ein Buch des früheren Landesrabbiners Samuel Holdheim. Ob jemand das Buch je herauszieht, wird sich zeigen. In Schwerin ist man ja schon froh, wenn die Tauben das Denkmal nicht als Toilette nutzen.

Standort mit Symbolkraft — und Sichtachse zur Synagoge

Die Platzierung ist durchdacht: Beim Betreten des Schlachtermarkts durch den Rathaus-Torbogen wird die Skulptur sichtbar. Ihre Ausrichtung verweist auf die nahegelegene Synagoge und die Landesrabbiner-Holdheim-Straße. Damit schlägt das Kunstwerk eine Brücke zwischen Marktplatz, Schlachtermarkt und jüdischem Leben in Schwerin — eine Verbindung, die man in dieser Stadt sonst eher zwischen Baustelle und Baustellenende sucht.

Das Projekt wird maßgeblich durch Spenden finanziert, besonders durch die Stiftung der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin. Geplant ist die Umsetzung im ersten Quartal 2027, pünktlich zum 100. Geburtstag von William Wolff (1927–2020). Dass Schwerin für seine Denkmäler ohnehin eine Schwäche hat, ist bekannt — diesmal allerdings für einen Mann, der sie verdient.

Und der erhobene Zeigefinger? Soll Passanten dazu anregen, „die kleinen Dinge im Leben bewusster wahrzunehmen“. In einer Stadt, die gerade über Rauch am Theaterzelt diskutiert, wäre das ein Anfang.

Quellen: Schwerin Lokal

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