Kultur

Rauch am Theaterzelt: Schwerin probt versehentlich den Kulturnotstand

Schwerin hat am Sonntagabend bewiesen, dass es auch ohne echte Katastrophe den Ernstfall beherrscht. Gegen 16:50 Uhr rückte die Feuerwehr zum Küchengarten aus, weil am Pförtnerhaus des Theaterzelts eine Rauchentwicklung gemeldet worden war. Die Diagnose: technischer Defekt. Kein Brand, kein Drama, keine Zugabe.

Schwerin entdeckt den präventiven Kulturschutz

Was in anderen Städten ein alltäglicher Fehlalarm wäre, hat in Schwerin natürlich sofort eine tiefere Bedeutung. Das Theaterzelt am Küchengarten ist schließlich nicht irgendein Zelt — es ist eines der wenigen Gebäude in der Landeshauptstadt, in dem regelmäßig Kultur stattfindet. Da rückt man nicht einfach mit einem Löschfahrzeug an. Da rückt man mit der gesamten kulturellen Notfallbereitschaft an.

„Es handelte sich um einen Fehlalarm, ausgelöst durch einen technischen Defekt. Die Vorstellung im Theaterzelt war nicht betroffen.“

Die Leitstelle gab also Entwarnung. Die Vorstellung lief weiter. Das Publikum bekam vom gesamten Einsatz vermutlich weniger mit als von der Handlung auf der Bühne — was bei Schweriner Theatervorstellungen durchaus als Kompliment gemeint sein kann.

Das Pförtnerhaus: Schwerins gefährlichstes Gebäude

Besonders brisant: Der Rauch kam ausgerechnet vom Pförtnerhaus. Also dem einzigen Ort am Theaterzelt, der buchstäblich dafür gebaut wurde, den Eingang zu bewachen. Dass das Sicherheitsgebäude selbst zum Sicherheitsrisiko wird, hat eine poetische Qualität, die man in Schwerin sonst nur von Radwegen kennt, die im Nichts enden.

Immerhin: Die Reaktionszeit der Feuerwehr war vorbildlich. Anders als bei manchen kulturellen Großereignissen in Schwerin brauchte es diesmal keine wochenlange Vorbereitung, um den Einsatz zu koordinieren. Es qualmt, man fährt hin, man stellt fest, dass nichts qualmt. Effizienz, wie man sie sich für andere Bereiche der Stadtverwaltung nur wünschen kann.

Der technische Defekt wurde behoben. Das Theaterzelt steht noch. Schwerin hat eine Kulturstätte gerettet, die gar nicht in Gefahr war. Manche würden sagen: Das ist typisch Schwerin. Wir sagen: Lieber einmal zu viel retten als einmal zu wenig.

Quellen: Nordkurier

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