Kultur

„Rampe rockt“: Aus der Nachbarschaftsparty soll plötzlich ein Festival werden – und ein OB-Kandidat ist auch dabei

„Rampe rockt“: Aus der Nachbarschaftsparty soll plötzlich ein Festival werden – und ein OB-Kandidat ist auch dabei

Schwerin/Rampe. Es gibt Veranstaltungen, die sind so klein, dass sie auf Google Maps nicht mal als Punkt auftauchen würden. „Rampe rockt“ auf dem Gelände des Diakoniewerks Neues Ufer war bisher eine davon. Ein paar Hobbybands, 30 Zuschauer mit Plastikbechern, ein Abend irgendwo zwischen Straßenfest und Gartenparty. Aber 2026 soll alles anders werden: Aus dem gemütlichen Grillabend mit Gitarrenbegleitung soll ein Festival werden. Ein echtes. Mit allem drum und dran. Sagen zumindest die Organisatoren.

Und als hätte jemand das Stichwort „Festival“ in eine Wahlkampf-Suchmaschine eingegeben, ist plötzlich auch Sebastian Ehlers (CDU) mit von der Partie. Der Stadtpräsident, der in wenigen Wochen Oberbürgermeister werden will, engagiert sich auf einmal für „Rampe rockt“ – ein Event, das ihn in den Vorjahren offenbar so wenig interessiert hat wie der Zustand der Schweriner Radwege. Ob Ehlers jemals bei einer der bisherigen Ausgaben vor Ort war? Unbekannt. Wahrscheinlicher ist: Er hat den Namen zum ersten Mal gehört, als jemand „Festival“ und „Öffentlichkeit“ in einem Satz erwähnte.

Die Macher hinter dem ambitionierten Upgrade heißen Karsten Stotko und Martin Neuhaus. Die Schweriner kennen die beiden als Organisatoren des „musiKKlub“ – der dienstäglichen Open-Air-Konzertreihe auf dem Marktplatz. Was dort funktioniert (Bühne auf, Band drauf, Feierabend), soll jetzt also auch auf dem Diakoniewerk-Gelände funktionieren. Nur eben größer. Als Festival. Das ist ungefähr so, als würden die Freizeitfußballer zwischen den Wohnblocks im Großen Dreesch aus Jacken und Rucksäcken Torpfosten bauen, drei Spiele gewinnen und sich dann bei der DFL für die Bundesliga bewerben.

„Rampe rockt“ hatte in den vergangenen Jahren den Charme eines Nachbarschaftstreffens, bei dem zufällig jemand eine Gitarre mitgebracht hat. Eine Handvoll Zuschauer, unbekannte Freizeitbands, ein Bierstand. Nichts, wofür man den Begriff „Festival“ auch nur in die Nähe eines Plakats schreiben würde. Und jetzt? Jetzt soll es plötzlich groß werden. Woher das Geld kommt, liegt nahe: Das Diakoniewerk Neues Ufer, eine gemeinnützige Einrichtung für Menschen mit Behinderung, sitzt auf Fördertöpfen und öffentlicher Unterstützung. Dass ein Teil davon in die Verwandlung einer 30-Mann-Veranstaltung in ein „Festival“ fließt, bei dem ausschließlich unbekannte Bands spielen, ist zumindest bemerkenswert.

Besonders pikant: Die Geldgeber und Sponsoren, die so ein Upgrade überhaupt möglich machen würden, scheinen selbst nicht mit an Bord zu sein. Dafür ein OB-Kandidat, der plötzlich seine Leidenschaft für die Schweriner Musikszene entdeckt hat. Sebastian Ehlers kandidiert übrigens gleichzeitig auch für den Landtag – man weiß ja nie, welche Wahl man gewinnt, und bei einer Stadt mit 98.000 Einwohnern kann man sich nicht sicher sein, ob der Job in vier Jahren noch existiert.

Es bleibt am Ende eine Frage, die sich jeder Schweriner stellen darf: Von allen Beteiligten, die dieses „Festival“ jetzt groß ankündigen – wer von denen würde eigentlich eigenes Geld reinstecken? Wer glaubt so sehr an „Rampe rockt“, dass er den eigenen Geldbeutel aufmacht, statt auf Fördermittel, Sponsoren und Steuergelder zu warten?

Die Antwort kennt vermutlich jeder, der schon mal in Schwerin ein Veranstaltungsplakat gesehen hat: Niemand.


Foto: Jonathan Borba / Pexels (Pexels-Lizenz)

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