Schwerin. Die Geschichte der Schweriner Radsporthalle liest sich wie ein Wirtschaftskrimi, nur ohne Spannung und mit vorhersehbarem Ende: Es wird teurer. Ursprünglich mit rund 15 Millionen Euro veranschlagt, kletterten die Kosten über 20 auf mittlerweile 25 Millionen Euro. Und wenn man genau hinschaut, ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht — die Fassadengestaltung ist noch offen, Angebote werden eingeholt, und erfahrungsgemäß holt man in Schwerin keine Angebote ein, wenn alles im Budget liegt.
Von 15 auf 25 Millionen: Die Schweriner Methode der Kostenschätzung
Der Kostensprung ist beeindruckend, aber in Schwerin niemanden mehr überraschend. 2023 musste die Stadtvertretung bereits 7,7 Millionen Euro Kostensteigerung nachgenehmigen. Die Grünen waren dagegen — „die 2 Millionen hätte man auch in den Alltagsradverkehr investieren können“ — aber wer braucht schon Fahrradwege, wenn man eine olympiataugliche Radrennbahn hat? Die baut man schließlich nicht für Schweriner, die zur Arbeit radeln, sondern für Leistungssportler, die im Kreis fahren. Professionell.
1.000 Tonnen Stahl, 118 Meter Länge, 250-Meter-Bahn aus acht Jahre gelagerter Fichte. Für eine Stadt, die ihre Straßenbahnlinien zusammenlegt, um zu sparen, hat die Radsporthalle erstaunlich wenig Budgetangst.
Besonders charmant: Für den Bau wurde ein beliebtes Stadion am Lambrechtsgrund zugeschüttet. Das Stadion diente vorher als Ausweichparkplatz bei Großveranstaltungen. Der neue Parkplatz soll jetzt unter der Radsporthalle entstehen — auf Stelzen. Die Radsporthalle steht also buchstäblich über den Trümmern des alten Stadions. Poetischer kann man den Umgang mit öffentlichen Geldern kaum inszenieren.
Ende 2026 — vielleicht
Die Eröffnung war ursprünglich für Anfang 2026 geplant. Jetzt heißt es: Ende 2026. Grund: Lieferverzögerung beim Stahl. Was in anderen Städten ein logistisches Problem wäre, ist in Schwerin einfach Dienstag. Der Oberbürgermeister zeigt sich begeistert wie bei jedem Prestigeprojekt: „Die Radsporthalle begleitet mich bereits die gesamte Amtszeit.“ Das stimmt. Nur dass Begleitung und Fertigstellung in Schwerin nicht dasselbe sind.
Finanziert wird das Ganze aus Mitteln von Bund, Land und Stadt. Also von Steuerzahlern, die mehrheitlich weder Rad fahren noch jemals die Halle betreten werden. Aber immerhin: Schwerin bekommt das einzige Radsportzentrum in ganz Mecklenburg-Vorpommern. In einem Bundesland, in dem laut aktueller Infrastrukturplanung nicht mal die Autobahnen fertig werden, hat der Bahnradsport jetzt wenigstens eine feste Bahn. Für nur 25 Millionen. Mindestens.
Quellen: Nordkurier, Stadt Schwerin
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