Klartext

Parkplatzsuche in Schwerin: Dreimal um den Block, dann aufgeben

Es gibt in Schwerin ein Ritual, das jeder kennt, der mal kurz zum Markt wollte. Man fährt die Mecklenburgstraße entlang, biegt ab, sieht: voll. Nächste Straße: voll. Schlossstraße: voll. Nach der dritten Runde parkt man irgendwo am Pfaffenteich und läuft zehn Minuten. Oder man gibt auf und fährt ins Schlosspark-Center, wo es zwar Parkplätze gibt, aber keinen Grund, in die Innenstadt zu gehen.

Schwerins Parkplatzsituation ist ein Meisterwerk der Stadtplanung. Und zwar im Sinne von: Es wurde offensichtlich nicht geplant. Eine Innenstadt, die vor allem von Autofahrern erreicht wird, weil der ÖPNV aus vier Straßenbahnlinien besteht, hat nicht genug Parkplätze. Das ist, als würde man ein Restaurant eröffnen und die Stühle vergessen.

Parkhäuser: Vorhanden, aber irgendwie egal

Schwerin hat durchaus Parkhäuser. Das Parkhaus am Stadthaus, das Schlosspark-Center, die Marienplatz-Galerie. Das Problem: Abends und nachts stehen die Parkhäuser leer, während auf der Straße Krieg um jeden Meter Bordsteinkante herrscht. Der Centermanager des Schlosspark-Centers hat es selbst gesagt: „Abends und nachts gibt es in der Innenstadt ein echtes Parkplatzproblem, während die Parkhäuser der Center leerstehen.“ Man könnte auch sagen: Die Lösung existiert, aber niemand nutzt sie. Schweriner Verhältnisse eben.

Für Anwohner ist die Situation noch absurder. Wer in der Schelfstadt oder der Altstadt wohnt, braucht einen Anwohnerparkausweis. Klingt vernünftig. Ist es auch, bis man erfährt, dass der Ausweis pro Fahrzeug gilt und man mit drei Firmenwagen ein halbes Jahr Bürokratie-Marathon durchlaufen muss. Ein Unternehmer berichtete von sechs Monaten Antragsprozess, nur um vor seinem eigenen Büro stehen zu dürfen.

Ich bin dreimal um den Block gefahren, hab dann am Pfaffenteich geparkt und bin zum Markt gelaufen. Als ich ankam, war der Bäcker schon zu.

So oder so ähnlich: Eine Schwerinerin über ihren Samstagseinkauf

Die Lösung, die keine ist

Natürlich gibt es Stimmen, die sagen: Dann fahrt doch Fahrrad. Radfahren in Schwerin ist allerdings eine Mutprobe für Fortgeschrittene, und der ÖPNV fährt ab 20 Uhr in den Feierabend. Bleibt also: Auto. Und damit das Problem.

Was andere Städte mit Park-and-Ride-Konzepten, Quartiersgaragen und intelligentem Parkleitsystem lösen, wird in Schwerin mit einem Schulterzucken beantwortet. Ein digitales Parkleitsystem, das freie Plätze in Echtzeit anzeigt? Fehlanzeige. Dynamische Parkgebühren, die Parkhäuser attraktiver machen? Nein. Stattdessen: Knöllchen für alle, die in der Verzweiflung fünf Minuten überziehen.

Die Innenstadt stirbt sowieso schon, wie jeder weiß, der sich den Marienplatz in den letzten Jahren angesehen hat. Dass die Stadt es ihren letzten Besuchern auch noch so schwer wie möglich macht, überhaupt hinzukommen, hat eine gewisse traurige Konsequenz.

Schwerin: Die Stadt, in der man seinen Parkplatz schneller findet als einen Grund, ihn zu nutzen. Aber nur, weil man im Schlosspark-Center parkt und die Innenstadt links liegen lässt.

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