Gesellschaft

Osterfeuer in Schwerin erlaubt — aber nur mit Diplomarbeit, Feuerwehr-Hotline und schriftlicher Genehmigung bis Montag

Gute Nachrichten für alle Schweriner, die Ostern traditionell ein Feuer im Freien genießen wollen: Die Landeshauptstadt hat offiziell bestätigt, dass Osterfeuer erlaubt sind. Die schlechte Nachricht: Man braucht dafür ungefähr so viel Papierkram wie für einen Bauantrag.

Feuer frei — nach Aktenlage

Ordnungsdezernent Silvio Horn hat ein „Merkblatt“ herausgegeben, das den Schwerin-typischen Spagat zwischen Tradition und Bürokratie perfekt abbildet. Osterfeuer sind demnach nur als „Brauchtumsfeuer“ erlaubt — nicht etwa, weil es einfach Spaß macht, sondern weil ein „öffentlicher Charakter“ gegeben sein muss. Der eigene Garten? Verboten. Der Kleingarten? Nur wenn auch Vereinsfremde Zugang haben. Spontan ein Feuer machen, weil es Ostern ist? Ordnungswidrigkeit.

„Das gemeinsame Osterfeuer ist für viele Schweriner ein geselliger Höhepunkt. Um diesen Brauch bewahren zu können, bitte ich, das Merkblatt sorgsam durchzulesen und dabei auch an Mensch, Tier und Umwelt zu denken.“

Übersetzt aus dem Amtsdeutsch: „Bitte macht kein Feuer, ohne vorher 12 Seiten gelesen zu haben.“

Deadline: Montag. Ja, dieser Montag.

Besonders charmant: Die schriftliche Anmeldung muss bis spätestens 31. März beim Veranstaltungsmanagement der Stadt eingehen. Das ist Montag. Drei Tage vor dem Gründonnerstag. Wer also spontan über das Wochenende auf die Idee kommt, ein Osterfeuer zu veranstalten, hat exakt null Werktage Zeit, den Antrag zu stellen. Aber keine Sorge — es gibt eine Telefonnummer und eine E-Mail-Adresse. Die Stadt Schwerin ist ja bekannt für ihre blitzschnelle Reaktionszeit bei digitaler Kommunikation.

Das Kleingedruckte: Was man nicht verbrennen darf (also fast alles)

Erlaubt ist „ausschließlich unbehandeltes Holz sowie Baum- und Strauchschnitt“. Wer das Osterfeuer zur Müllverbrennung nutzt, begeht laut Ordnungsdezernent Horn eine Ordnungswidrigkeit. Und: „Deshalb werden wir kontrollieren.“ Der frisch deeskalationsgeschulte Ordnungsdienst darf sich also auf nächtliche Einsätze an Lagerfeuern freuen. Ob die Beamten dabei ihre neuen MMA-Posen üben, ist nicht überliefert.

Ebenfalls wichtig: Spätestens um 24 Uhr muss das Feuer aus sein. Und falls ein besorgter Bürger trotzdem die Feuerwehr ruft, muss diese ausrücken — egal ob das Feuer angemeldet war oder nicht. Die Feuerwehr ist nämlich „verpflichtet, jeder eingehenden Brandmeldung nachzugehen“. Stellt euch also darauf ein, dass euer gemütliches Brauchtumsfeuer um 23:55 Uhr von einem Löschzug beendet wird, weil Frau Müller aus dem dritten Stock „eine Rauchentwicklung gemeldet“ hat.

Aber hey — die Stadt wünscht allen Teilnehmern „mit Sicherheit ein frohes Osterfest“. Und „mit Sicherheit“ ist hier vermutlich wörtlich gemeint.

Quellen: Landeshauptstadt Schwerin

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