Klartext

OB-Wahl 2026: Sieben Kandidaten für den undankbarsten Job in MV

Am 12. April 2026 wählt Schwerin einen neuen Oberbürgermeister. Oder eine neue Oberbürgermeisterin. Sieben Kandidaten stehen zur Wahl, und man fragt sich bei jedem einzelnen: Warum tut ihr euch das an?

Seit dem 31. Dezember 2025 ist Rico Badenschier nicht mehr im Amt. Interims-OB Bernd Nottebaum hält den Laden zusammen, soweit man bei Schwerin von „zusammenhalten“ sprechen kann. Und jetzt treten sieben Menschen an, die offenbar glauben, sie könnten es besser. Oder zumindest anders. Oder sie haben einfach noch nicht verstanden, worauf sie sich einlassen.

Die Kandidaten: Ein Überblick

Sebastian Ehlers (CDU), Petra Federau (AfD), Massimo De Matteis (Volt), Mandy Pfeifer (SPD/Die Linke), Lars Schubert (Einzelkandidat), Heiko Steinmüller (Einzelkandidat, Gastronom und Stadtvertreter) und Aileen Wosniak (ASK). Sieben Menschen, ein Stuhl, und eine Stadt, die ihrem nächsten Amtsinhaber alles abverlangen wird, ohne ihm nennenswerte Werkzeuge an die Hand zu geben.

Denn das ist das eigentliche Drama dieser Wahl: Es geht nicht darum, wer die besten Ideen hat. Es geht darum, wer am längsten durchhält in einem Amt, das einem die Haare vom Kopf frisst. Oberbürgermeister von Schwerin zu sein heißt: eine schrumpfende Stadt verwalten, mit einem Haushalt, der hinten und vorne nicht reicht, einer Stadtvertretung, die Ideen systematisch zerredet, und Bürgern, die gleichzeitig alles besser haben wollen und jede Veränderung fürchten.

„OB von Schwerin? Das ist wie Kapitän auf der Titanic, nur ohne Orchester und mit weniger Eisbergen als Schlaglöchern.“

So oder so ähnlich ein Schwerin-Kenner am Stammtisch

Was der nächste OB erbt

Wer am 12. April gewinnt, erbt eine Stadt mit unter 100.000 Einwohnern und den damit verbundenen Förderkürzungen. Eine Innenstadt mit sterbendem Einzelhandel. Einen ÖPNV auf Kreisstadt-Niveau. Keine Universität, keine nennenswerte Wirtschaft außer Verwaltung und Pflege. Einen Arbeitsmarkt, der junge Menschen vertreibt. Und das höchste Durchschnittsalter aller Landeshauptstädte.

Das ist die Ausgangslage. Kein Wunder, dass sich die großen Parteien nicht gerade um diesen Posten reißen. Die CDU schickt den Landtagsabgeordneten Sebastian Ehlers, die SPD geht mit Mandy Pfeifer ins Rennen, unterstützt von der Linken. Dass Volt mit Massimo De Matteis antritt, zeigt immerhin, dass es in Schwerin jemanden gibt, der an europäische Visionen glaubt. In einer Stadt, die schon mit der Vision „Innenstadt nach 20 Uhr beleuchten“ überfordert wäre.

Wahlkampf in der Geisterstadt

Besonders interessant: Zwei Einzelkandidaten. Heiko Steinmüller, als Gastronom einer der wenigen, die wissen, wie es sich anfühlt, in Schwerin ein Geschäft am Laufen zu halten. Und Lars Schubert, der ohne Partei-Apparat antritt. Dazu die AfD mit Petra Federau und die ASK mit Aileen Wosniak.

Sieben Kandidaten für eine Stadt mit 98.308 Einwohnern. Das klingt nach viel Auswahl. Ist es aber nicht. Denn egal wer gewinnt: Die strukturellen Probleme Schwerins löst kein OB allein. Die Abwanderung, die Überalterung, die fehlende wirtschaftliche Basis, das kann keine einzelne Person drehen. Nicht in einer Amtszeit. Vermutlich nicht in zweien.

Am 12. April wird gewählt. In einem Monat weiß Schwerin, wer den undankbarsten Job in MV übernimmt. Man wünscht dem Gewinner oder der Gewinnerin viel Kraft. Die wird nötig sein. Dicke Haut auch.

Bildquelle: Markus Spiske / Unsplash

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