Zwei Wochen vor der OB-Wahl in Schwerin hat der Wahlkampf eine Eskalationsstufe erreicht, die selbst für Schweriner Verhältnisse bemerkenswert ist: Strafanzeigen statt Sachdebatten.
Dietmar Tackmann, noch Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen Bürger/FDP in der Stadtvertretung, hat Strafanzeige gegen OB-Kandidatin Dr. Aileen Wosniak (ASK) gestellt. Wegen Beleidigung und Verleumdung. Was war passiert?
Ein Facebook-Kommentar und seine Folgen
Tackmann hatte sich am vergangenen Montag aus der Stadtvertretung verabschiedet – Rücktritt aus privaten Gründen. Auf Facebook bedauerte ein ehemaliger Stadtvertreter den Abgang: Man hätte mit Tackmann gut streiten und diskutieren können. Darauf reagierte Wosniak und sprach laut NDR von einem Polizeibeamten, der rassistische und antifeministische Positionen erkennen lasse.
Tackmann bezieht den Kommentar auf sich – und marschiert zur Polizei.
„Rassistische und antifeministische Positionen.“
OB-Kandidatin Dr. Aileen Wosniak (ASK) in einem Facebook-Kommentar über einen scheidenden Stadtvertreter
Schwerin im Wahlkampfmodus: Anzeige statt Argument
In einer Stadt, in der normalerweise die größte politische Aufregung darin besteht, ob der Pfaffenteich mal wieder zu viel Entengrütze hat, ist dieser Vorfall fast schon bundesligatauglich. Eine Kandidatin, die einen Kommunalpolitiker auf Facebook als Rassisten bezeichnet. Ein Stadtvertreter, der mit Strafanzeige antwortet. Die Polizei ermittelt. Und das alles wegen eines Kommentars unter einem Abschiedspost.
Wosniak, promovierte Psychotherapeutin und politische Quereinsteigerin, kandidiert für die ASK – eine kleine Bürgerinitiative, die sich für Transparenz und soziale Gerechtigkeit einsetzt. Tackmann ist Polizeibeamter und vertrat die bürgerlich-liberale Fraktion. Dass ausgerechnet diese beiden Welten in einem Facebook-Thread kollidieren, ist Schwerin in Reinform: Selbst die dramatischsten Konflikte spielen sich in einer Kommentarspalte ab, die vermutlich zwölf Leute gelesen haben.
Ob die Ermittlungen zu einer Anklage führen? Fraglich. Ob der Vorfall den Wahlkampf beeinflusst? In Schwerin wahrscheinlich genau so wenig wie alles andere den Wahlkampf beeinflusst. Am 12. April gehen irgendwo zwischen 40 und 50 Prozent der Wahlberechtigten an die Urne, kreuzen an, was sie schon immer ankreuzen wollten, und der Pfaffenteich wird danach genauso vor sich hin plätschern wie vorher.
Aber immerhin: Schwerin hat jetzt auch Strafanzeigen im Wahlkampf. In Berlin würde man sagen: Willkommen in der großen Politik. In Schwerin sagt man: Ist das schon alles?
Quellen: NDR Mecklenburg-Vorpommern
Schwerin ist Geil auf WhatsApp
Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.
Jetzt Kanal abonnierenKostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar
