Es gibt Momente, da muss man sich fragen, ob das NDR-Kamerateam die Landeshauptstadt wirklich nur besucht, weil es woanders nichts mehr zu filmen gibt. In diesem Fall lautet die Antwort: ja. Aber fairerweise muss man sagen, das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Die „Nordreportage“ hat Schwerin besucht. Nicht wegen des Weltkulturerbes, nicht wegen der Stadtvertretung, nicht wegen irgendeiner politischen Sensation. Sondern wegen Eisbein. Genauer: wegen „Bille“ Heller-Masan, Wirtin und Köchin im Restaurant „Das Martins“, die von der Redaktion den inoffiziellen Titel „Eisbeinkönigin von Schwerin“ verliehen bekam.
100 Portionen, zwei Abende, eine winzige Küche
Die Fakten klingen wie eine Bewerbung für das Guinness-Buch der kulinarischen Sturheit: Zwei Abende pro Woche kocht Bille mit ihrem kleinen Team exakt 100 Portionen Eisbein mit Sauerkraut und Erbsenpüree. In einer Küche, die vermutlich kleiner ist als die Abstellkammer im Schweriner Schloss. Seit 35 Jahren trifft sich dort derselbe Stammtisch.
35 Jahre. Derselbe Stammtisch. Dasselbe Gericht. In einer Stadt, in der sich sonst alle paar Monate ein Laden verabschiedet und nicht mal mehr ein Stadtfest hinbekommt, ist das nicht Tradition, das ist geologische Zeitrechnung.
„Eisbein knochenlos, leicht, aber unwiderstehlich deftig“ beschreibt der NDR das Gericht. In Schwerin nennt man das: gehobene Küche.
Schwerin: Wo Eisbein noch ein Kulturereignis ist
Während andere Landeshauptstädte mit Michelin-Sternen und Fusion-Küche protzen, hat Schwerin eine Frau, die zweimal die Woche Eisbein kocht. Und das ist kein Versagen, das ist eine Leistung. Denn in einer Stadt, die im kulinarischen Bereich sonst zwischen Dönerbude und Bäckerei-Kette pendelt (und um 21 Uhr sowieso alles dicht macht), ist ein Restaurant mit 35 Jahren Stammtisch-Geschichte das gastronomische Äquivalent eines UNESCO-Welterbes.
Die „Nordreportage“ verspricht zu zeigen, wie „Herz, Handwerk und Leidenschaft Menschen in Schwerin verzaubern“. Was sie eigentlich zeigt: In Schwerin braucht man keine Molekularküche und kein Tasting-Menü für 189 Euro. Man braucht eine Frau mit Durchhaltevermögen und einen Topf Sauerkraut.
Andere Städte haben Food-Festivals, Pop-up-Restaurants und kulinarische Stadtführungen. Schwerin hat Bille. Und ehrlich gesagt: Das reicht.
Quellen: NDR
Schwerin ist Geil auf WhatsApp
Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.
Jetzt Kanal abonnierenKostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar
