Kurioses

Nach Kraftklub-Konzert: Schwerin meldet kurzzeitiges Bevölkerungswachstum von 7,1 Prozent

Es war der Moment, auf den Schwerin seit der BUGA 2009 gewartet hatte: Am Dienstagabend versammelten sich 7.000 Menschen in der Sport- und Kongresshalle. Nicht wegen eines Stadtvertretungsbeschlusses — dann wären es drei gewesen — sondern weil die Chemnitzer Band Kraftklub ihre Tournee ausgerechnet in der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern eröffnete.

Das Statistische Amt der Stadt konnte sein Glück kaum fassen. „Wir haben gegen 20:15 Uhr einen temporären Bevölkerungszuwachs von 7,1 Prozent registriert“, erklärte Dezernent für demografische Schadensbegrenzung Holger Warnke. „Das ist mehr Wachstum als in den letzten 35 Jahren zusammen. Wir prüfen derzeit, ob wir die Konzertteilnehmer rückwirkend als Einwohner zählen können.“

Interims-OB Nottebaum ordnet sofortige Pressemitteilung an

Noch während Felix Brummer „Dein Lied“ sang, soll Interims-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum persönlich eine Pressemitteilung diktiert haben. Unter dem Titel „Schwerin wächst: Stadt verzeichnet historischen Bevölkerungsanstieg“ wurde der kurzzeitige Menschenauflauf als Beleg für die „ungebremste Anziehungskraft der Landeshauptstadt“ gewertet.

Wir haben immer gesagt, Schwerin ist eine Kulturmetropole. Dass 7.000 Menschen freiwillig hierherkommen — und nicht nur zum Umsteigen auf dem Weg nach Rostock — bestätigt unsere Strategie zu 100 Prozent.

Bernd Nottebaum, Interims-OB von Schwerin (so oder so ähnlich)

Die Stadtmarketing-Abteilung reagierte ebenfalls umgehend. Ab sofort soll der Slogan „Schwerin — Stadt der 7.000“ die bisherige Formulierung „Perle am See“ ergänzen. Dass 6.800 der Besucher unmittelbar nach Konzertende Schwerin in Richtung Autobahn verließen, wird in der offiziellen Darstellung als „nachgelagerte Abreisedynamik“ bezeichnet.

NVS stellt drei zusätzliche Bahnen bereit — zwei davon fallen aus

Die Nahverkehr Schwerin GmbH hatte sich auf den Ansturm vorbereitet und drei Sonderfahrten angekündigt. Zwei davon fielen wegen „personalbedingt ungünstiger Konstellationen“ aus, die dritte endete planmäßig am Marienplatz, also ungefähr dort, wo auch ohne Konzert niemand mehr hinwill. Die meisten Besucher wichen auf den bewährten Schweriner ÖPNV-Ersatz aus: das eigene Auto.

Besonders bitter für die Stadtverwaltung: Kraftklub-Sänger Felix Brummer soll nach dem Konzert gesagt haben, er habe „noch nie eine so leere Innenstadt gesehen — und wir kommen aus Chemnitz“. Die Aussage wurde vom Stadtmarketing umgehend als „humorvolle Anerkennung der Schweriner Ruhe und Lebensqualität“ interpretiert.

Eine Wiederholung des demografischen Wunders ist vorerst nicht in Sicht. Das nächste Großereignis in der Sport- und Kongresshalle ist eine Seniorenmesse im April. Die erwartete Besucherzahl liegt bei 400 — aber immerhin könnten die dauerhaft bleiben.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel ist Satire. Alle Zitate sind frei erfunden. Kraftklub hat tatsächlich am 3. März 2026 ihre Tour in der ausverkauften Sport- und Kongresshalle Schwerin eröffnet. Alles andere ist so oder so ähnlich nicht passiert.

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