Am Freitagabend feierte „Sterni und die Astronauten“ Premiere in der M*Halle des Mecklenburgischen Staatstheaters. Ein Stück über Aufbruch, Billigbier und das Ende einer Ära. Denn Milan Peschels vierte und letzte Arbeit für Schwerin ist gleichzeitig der Abschiedsgruß eines Ensembles, das es bald nicht mehr gibt. Schauspieldirektorin Nina Steinhilbers Vertrag wurde nicht verlängert, ebenso wie der Großteil der Schauspielerinnen und Schauspieler. Willkommen in Schwerin, wo man Dinge, die funktionieren, am liebsten abschafft.
Sternburg Pilsener, Stanisław Lem und sowjetische Weltraumfilme
Peschel, den man aus „Halt auf freier Strecke“ oder „Ku’damm 56“ kennt, hat das Stück gemeinsam mit dem Ensemble entwickelt. Science-Fiction als Rahmen für philosophische Fragen — inspiriert von Stanisław Lem, dem polnischen Autor, der den Krieg als Jude überlebte und danach klugen, satirischen Weltraum-Stoff schrieb. Der Titel? „Sterni“ steht für Stern, Star, aber auch für Sternburg Pilsener. Ostdeutsche Hochkultur in Reinform.
„Der Aufbruch ist uns zwangsläufig aufgezwungen, weil diese Arbeit für alle Beteiligten die letzte Zusammenarbeit in diesem Kontext sein wird.“ — Milan Peschel. Freiwillig geht hier niemand.
Peschel beschreibt seine Stücke als „leere Regale, die man mit Inhalten füllen kann“. In Schwerin kennt man das Prinzip — nur dass hier meistens die Regale leer bleiben. Die Neubesetzung der Schauspielleitung mit Joanna Lewicka hatte Peschel bereits öffentlich kritisiert. Jetzt machen sie ein Stück über den erzwungenen Abschied und verpacken es in Weltraum-Ästhetik. Wenn das Theater schon stirbt, dann wenigstens mit Stil.
Eine Stadt, die ihr Bestes konsequent loswird
Schwerin hat Talent darin, Gutes zu verlieren. Das Stadtfest? Abgeschafft. Funktionierendes Ensemble? Aufgelöst. Kulturelle Orte? Müssen erst 35 Jahre weg sein, bevor man sie vermisst. Peschels Ensemble hat mit „Ich werde Dich lieben“ und „Chico Zitrone im Tal der Hoffnung“ absurd-komische Dialogkunst nach Schwerin gebracht. Jetzt fliegen sie ab — als Astronauten, in einem Stück, das nach Billigbier benannt ist.
Das Stück ist noch in der M*Halle zu sehen. Wer hingeht, sieht vermutlich das Beste, was Schwerins Theaterlandschaft gerade zu bieten hat. Und gleichzeitig das Letzte. Aber hey — dafür hat die Stadt ja bald neue Planer für die Alte Post.
Quellen: Ostsee-Zeitung, Kulturkompass MV
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