Die Mieten in Schwerin sind im Durchschnitt um 9,1 Prozent gestiegen. Das ergab der qualifizierte Mietspiegel 2026/27, der im Januar vorgestellt wurde und seitdem in gewissen Kreisen für milde Panik sorgt. Die Stadt hat reagiert — mit einer Anpassung der Kosten der Unterkunft. Rückwirkend zum 1. Januar. Bürokratie kann auch schnell sein, wenn sie will.
6,32 Euro pro Quadratmeter: Der Schweriner Luxus
Die sogenannte KdU-Richtlinie — ein Akronym, das klingt wie ein vergessener DDR-Betrieb — legt fest, was die Stadt für angemessen hält. Die Nettokaltmiete liegt je nach Wohnungsgröße jetzt zwischen 5,63 und 6,32 Euro pro Quadratmeter. Wer in München, Hamburg oder Berlin gerade einen Lachanfall bekommt: Ja, in Schwerin kann man für 6,32 Euro pro Quadratmeter noch wohnen. Theoretisch.
Ein-Personen-Haushalte dürfen bis zu 50 Quadratmeter beanspruchen. Großzügig — sofern man unter „beanspruchen“ versteht, dass man eine solche Wohnung auch tatsächlich findet.
Die kalten Betriebskosten wurden von 1,52 auf 1,82 Euro pro Quadratmeter erhöht — ein Sprung von fast 20 Prozent. Wer die Entwicklung des sozialen Wohnungsbaus in Schwerin verfolgt, weiß: Die Stadt baut Wohnungen im Tempo einer Schnecke unter Valium, aber Richtlinien anpassen — das geht flott.
29 Millionen Euro: Eine beeindruckende Zahl mit Sternchen
Rund 29 Millionen Euro gab die Landeshauptstadt im vergangenen Jahr für die Unterkunftskosten ihrer Jobcenter-Kunden aus. Eine Zahl, die zunächst gewaltig klingt — bis man erfährt, dass der Bund den größten Teil davon erstattet. Schwerin als Durchlauferhitzer öffentlicher Gelder: eine Rolle, die die Stadt meisterhaft beherrscht.
Fachdienst-Leiterin Cornelia Pollin erklärte, dass Miete und Heizkosten erstattet würden — „sofern die Kosten angemessen seien“. Ein Satz, der mehr Interpretationsspielraum lässt als das Grundgesetz. Was in Schwerin als „angemessen“ gilt, entscheidet am Ende eine Richtlinie, die von Leuten geschrieben wurde, die vermutlich selbst keine 50-Quadratmeter-Wohnung für 6,32 Euro suchen müssen.
Die Wohnungsgrößen bleiben übrigens unverändert. Die Preise steigen, die Quadratmeter nicht. Ein Prinzip, das man aus der Chipsindustrie kennt — und das auch in der Schweriner Sozialpolitik offenbar Schule macht.
Quellen: Nordkurier
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