Klartext

Lieferdienste in Schwerin: 20 Optionen, 15 davon Döner

Schwerin (SIG) – Es gibt einen einfachen Test, um herauszufinden, wie relevant eine Stadt in Deutschland ist: Man öffnet Lieferando und zählt die Ergebnisse. In München sind es über 800. In Hamburg über 600. In Rostock immerhin noch dreistellig. In Schwerin, der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern, scrollt man einmal kurz – und ist durch. Zwischen 15 und 25 Optionen, je nachdem ob gerade Dienstag ist oder einer der Läden mal wieder spontan geschlossen hat.

Das ist kein Witz. Das ist die kulinarische Realität einer Stadt, die sich Landeshauptstadt nennt und auf ihrer Website mit „Lebensqualität“ wirbt. Lebensqualität bedeutet in Schwerin offenbar: Du kannst zwischen Döner Nummer 1, Döner Nummer 2, Döner Nummer 3 und – für die Abenteuerlustigen – Döner Nummer 7 wählen. Dazu ein Chinese, der seit 2003 die gleiche Karte hat, und eine Pizzeria, deren Liefergebiet mysteriöserweise drei Straßen vor deiner Haustür endet.

Uber Eats: 2024 endlich angekommen

Besonders bezeichnend: Uber Eats startete in Schwerin erst im März 2024. Zum Vergleich: In Berlin war der Dienst seit 2016 verfügbar. Acht Jahre Unterschied. Schwerin lag auf der Prioritätenliste eines internationalen Lieferkonzerns offenbar irgendwo zwischen „machen wir vielleicht noch“ und „wo liegt das nochmal?“.

Und als Uber Eats dann endlich kam, war die Euphorie überschaubar. Nicht weil die Schweriner keinen Hunger hätten, sondern weil die Auswahl auf der Plattform ernüchternd dünn ist. Wer in einer Großstadt Uber Eats öffnet, scrollt minutenlang durch Sushi, Thai, Mexikanisch, Koreanisch, Äthiopisch. Wer in Schwerin Uber Eats öffnet, sieht: Döner. Pizza. Burger King – wenn der gerade Bock hat.

Die Burger-King-Lotterie

Apropos Burger King: Wer in Schwerin bei den großen Ketten bestellen will, braucht Geduld und Glück. Burger King ist gefühlt die Hälfte der Woche offline – aus Gründen, die niemand kennt und niemand erklärt. McDonald’s liefert teilweise gar nicht erst. Und wenn eine Bestellung mal durchgeht, besteht immer noch die realistische Chance, dass sie mittendrin abgebrochen wird. Ohne Erklärung. Ohne Entschuldigung. Einfach: Bestellung storniert. Viel Spaß beim Kochen.

„Ich hab letztens bei einem Lieferdienst bestellt, der war nicht mal aus Schwerin. 80 Euro Mindestbestellwert. Für Essen. Aus einer anderen Stadt. In eine Landeshauptstadt.“

Das ist keine Satire, das ist Alltag. Einige der auf Lieferando gelisteten Restaurants befinden sich gar nicht in Schwerin, sondern liefern aus dem Umland – mit entsprechenden Mindestbestellwerten, die das Abendessen für zwei Personen zum Investitionsprojekt machen.

Der Döner-Index

Wenn Ökonomen den Wohlstand einer Region messen wollen, nehmen sie das Bruttoinlandsprodukt. Wenn man die kulinarische Vielfalt einer Stadt messen will, nimmt man den Döner-Index: den Anteil der Dönerläden an der Gesamtzahl der verfügbaren Lieferdienste. In Schwerin liegt dieser Index bei geschätzten 40 bis 50 Prozent. Das ist nicht per se schlecht – Döner ist großartig – aber es sagt etwas über eine Stadt, wenn die Hälfte ihres gastronomischen Lieferangebots aus Variationen von Fleisch im Fladenbrot besteht.

Wo ist das Sushi? Das Thai? Das Vietnamesisch? In anderen Städten gibt es Ghost Kitchens, Cloud Kitchens, Pop-up-Restaurants die nur über Apps existieren. In Schwerin gibt es einen Imbiss am Marienplatz, der seit 15 Jahren die gleiche Currywurst verkauft. Und das ist einer der besseren.

Die Wahrheit ist: Lieferdienste gehen dahin, wo es sich lohnt. Wo genug Menschen leben, die genug verdienen, um regelmäßig Essen zu bestellen. Dass Schwerin zu den letzten Landeshauptstädten gehörte, die Uber Eats bekommen haben, ist kein Zufall. Es ist ein Markturteil. Und es sagt mehr über den Zustand dieser Stadt als jede Einwohnerstatistik.

Aber hey – immerhin kann man sich in Schwerin noch einen Döner liefern lassen. In dreifacher Ausführung. Von drei verschiedenen Läden. Die alle gleich schmecken. Guten Appetit, Landeshauptstadt.

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