Man kennt das: Das neue Motorrad glänzt, das Licht ist perfekt, und wo könnte man es besser in Szene setzen als auf aktiven Bahngleisen? Richtig — nirgendwo. Aber zwei Jugendliche aus dem Raum Schwerin sahen das am Montagabend anders.
Instagram-Ästhetik trifft auf Streckensperre
Gegen 20 Uhr schleppten ein 16- und ein 17-Jähriger ihre Motorräder auf die Bahnstrecke Wismar–Schwerin bei Lübstorf. Ziel: Fotos und Videos. Ergebnis: Eine sofortige Streckensperrung, Bundespolizei mit Sonder- und Wegerechten und zwei Züge, die sich insgesamt zehn Minuten verspäteten.
Zehn Minuten — das klingt harmlos, bis man bedenkt, dass diese Strecke ohnehin so pünktlich ist wie ein Paketbote am Freitagnachmittag. Jede weitere Minute Verspätung ist hier quasi kulturelle Bereicherung.
„Die Züge verkehren mit hoher Geschwindigkeit, sind sehr leise und werden daher erst zu spät erkannt.“ — Bundespolizeiinspektion Rostock. Übersetzung: Ein Zug ist kein Fahrrad. Man hört ihn nicht kommen, und wenn man ihn sieht, ist es zu spät für ein Selfie.
Ordnungswidrigkeitenverfahren statt Likes
Statt viraler Reichweite gab es für die beiden Nachwuchs-Fotografen ein Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen unbefugten Aufenthalts im Bereich der Bahnanlagen. Die Erziehungsberechtigten wurden informiert — ein Telefonat, bei dem vermutlich weniger über Bildkomposition gesprochen wurde.
Die Bundespolizei wies nochmals darauf hin, dass von vorbeifahrenden Zügen eine „enorme Sogwirkung“ ausgeht. Ein Detail, das in keinem TikTok-Tutorial über urbane Fotografie in Schwerin erwähnt wird.
Tipp für alle, die ihr Motorrad fotografieren wollen: Der Parkplatz vor dem Görries Yoga-Studio ist genauso fotogen — und deutlich weniger tödlich.
Quellen: Bundespolizeiinspektion Rostock / Presseportal
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