Wirtschaft

„Hier wächst Familie“ — Schwerin wirbt um Fachkräfte, die es noch gar nicht gibt

Die Schweriner Wirtschaftsförderung hat eine neue Kampagne gestartet, und der Name ist Programm: „Schwerin – hier wächst Familie“. Das klingt nach einem Slogan, den jemand auf einem Flipchart notiert hat, nachdem alle besseren Vorschläge abgelehnt wurden. Die Botschaft: Kommt nach Schwerin, hier ist es familiär. Was in der Praxis bedeutet: Jeder kennt jeden. Und jeder weiß, warum die anderen weggezogen sind.

Die Kampagne richtet sich an Familien in Hamburg und Berlin, die angeblich genug haben von Hektik, hohen Mieten und überfüllten Spielplätzen. Stattdessen sollen sie nach Schwerin ziehen, wo es Wasser, Grün und kurze Wege gibt. Kurze Wege stimmt: Vom Schloss zum Pfaffenteich sind es vier Minuten. Dann hat man alles gesehen.

Kostenfreie Kita, kurze Wege, keine Jobs

Wirtschaftsdezernent Bernd Nottebaum preist die „hohe Lebensqualität, Familienfreundlichkeit, Sicherheit und ein urbanes Lebensgefühl ohne Hektik“ an. Letzteres ist eine besonders elegante Umschreibung für: Nach 20 Uhr passiert hier genau nichts. Das „urbane Lebensgefühl“ besteht darin, dass es vier Straßenbahnlinien gibt und am Marienplatz manchmal ein Café geöffnet hat.

Besonders stolz ist man auf die kostenfreie Kita-Betreuung ab dem ersten Lebensjahr. Was man dezent verschweigt: Die Suche nach einem Kitaplatz in Schwerin ist bereits jetzt eine olympische Disziplin. Aber hey, er ist immerhin kostenlos — wenn man einen bekommt.

„Viele Bekannte kehren nach Jahren in der Großstadt bewusst zurück — wegen der Familie vor Ort und weil Schwerin ideale Bedingungen bietet, um Kinder großzuziehen.“

Tanja Holz, Wirtschaftsförderung Schwerin. Welche Bekannten das genau sind, wurde nicht spezifiziert.

Plakate in Hamburg — die ehrlichste Form der Abwerbung

Der Kampagnenstart ist passenderweise der „Rückkehrertag“ am 2. April — eine Jobmesse für Menschen, die Schwerin einst verlassen haben und nun mit dem Gedanken spielen, wiederzukommen. Dass es dafür eine eigene Veranstaltung braucht, sagt mehr über die Abwanderungsproblematik als jede Statistik.

Danach folgt eine Plakatkampagne in Hamburg und Berlin. Man stelle sich das vor: Hamburger stehen an der U-Bahn und sehen ein Plakat, das ihnen vorschlägt, nach Schwerin zu ziehen. Die meisten werden googeln müssen, wo das liegt. Einige werden es mit Schweinfurt verwechseln. Die, die tatsächlich kommen, werden feststellen, dass das Wasser in Schwerin zwar „nicht nur Kulisse“ ist, wie die Kampagne verspricht, sondern auch der Hauptgrund für das permanente Grau am Himmel.

Die Kampagne ist laut Wirtschaftsförderin Kathrin Hoffmann „mittelfristig angelegt“, weil ein Standortwechsel mit Familie eben nicht über Nacht passiert. Das stimmt. Manche Entscheidungen brauchen Zeit. Zum Beispiel die Entscheidung, nicht nach Schwerin zu ziehen. Die geht allerdings meistens ziemlich schnell.

Immerhin: Schwerin versucht es. Und solange die Parkplatzsuche einfacher bleibt als in Hamburg, hat die Stadt zumindest ein Argument. Ob das reicht, um Fachkräfte aus der Großstadt zu locken, wird sich zeigen. Vermutlich mittelfristig.

Titelbild: Yunming Wang / Unsplash

Quellen: Stadt Schwerin Pressemitteilungen

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