Politik

„Halten auf Wunsch“: Schwerin erfindet den Taxi-Bus — aber nur nach 20 Uhr und wenn der Fahrer Lust hat

Die Stadtvertretung Schwerin hat am Montagabend mit breiter Mehrheit das Konzept „Halten auf Wunsch“ beschlossen. Ab sofort — naja, irgendwann — dürfen Busse in den Abendstunden auch zwischen regulären Haltestellen stoppen, wenn Fahrgäste darum bitten. Man kennt das Prinzip: aus dem Taxi. Nur halt im Bus. In Schwerin. Nach 20 Uhr.

Der Bus hält, wo du willst — theoretisch

Die Idee stammt von der Fraktion Unabhängige Bürger, die sich damit einen Namen gemacht hat, Dinge vorzuschlagen, die in anderen Städten längst Standard sind. Aber hey — in einer Stadt, in der ein Elf-Euro-Bürgerticket als Revolution gilt, ist auch ein flexibler Ausstieg am Abend ein Quantensprung.

Im Hauptausschuss hatte die Vorlage zuvor 12:0 Stimmen erhalten. Einstimmig. Das passiert in der Schweriner Kommunalpolitik ungefähr so oft wie ein pünktlicher Bus um 21:30 Uhr.

„Man bedanke sich für die konstruktiven Diskussionen in den Ausschüssen.“

So Stadtvertreterin Pohlner von den Unabhängigen Bürgern. Und man hofft, dass der Beschluss „breit bekannt gemacht“ wird. Denn: Ein guter Beschluss hilft nur, wenn die Leute davon wissen. In Schwerin ist das erfahrungsgemäß das größere Problem.

Sicherheit first — Busfahrer entscheidet

Natürlich gibt es Regeln: Die Verkehrssituation muss es zulassen, und das Fahrpersonal hat das letzte Wort. In der Praxis heißt das: Wenn der Busfahrer „Nee“ sagt, steigst du an der Haltestelle aus. Wie bisher. Nur jetzt darfst du wenigstens höflich fragen.

Gedacht ist das Ganze vor allem für Frauen, ältere Menschen und alle, die nachts keine Lust auf dunkle Umwege von der Haltestelle haben. In einer Stadt, in der Single-Spaziergänge als soziales Event durchgehen, ist der nächtliche Fußweg offenbar ein echtes Thema.

Der Nahverkehr Schwerin hatte sich im Vorfeld grundsätzlich offen gezeigt. Vorgesehen ist erstmal ein Testmodell für die Abendstunden. Ob es funktioniert, zeigt sich dann in der Praxis — also irgendwann 2026 oder 2027 oder wenn die Verwaltung den Beschluss in der Schublade wiederfindet.

Man muss Schwerin eines lassen: Wenn die Stadt ein Problem löst, dann gründlich. Erst 215 Millionen für neue Wohnungen, jetzt flexible Bushaltestellen. Als nächstes vielleicht sogar ein Bus nach 22 Uhr. Aber eins nach dem anderen.

Quellen: schwerin.news, NDR

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