Kultur

Hänsel und Gretel auf dem Dreesch: Schwerin bringt Oper in den Plattenbau — Hexenhaus optional

Das Mecklenburgische Staatstheater bringt im Mai ein Singspiel auf den Berliner Platz im Großen Dreesch. „Hexenholz“ heißt das Projekt — eine Neuerzählung von Hänsel und Gretel, bei der die Geschwister nicht im Märchenwald landen, sondern im Großstadtdschungel. Das Setting: Papa hat den Job verloren, der Kühlschrank ist leer, und an Urlaub ist nicht zu denken. Also quasi ein ganz normaler Dienstag auf dem Dreesch.

Wenn der Plattenbau zur Opernbühne wird

Das Theater kooperiert mit dem Quartiersmanagement Neu Zippendorf/Mueßer Holz und der Kulturschule ATARAXIA. Theaterprofis treffen auf Kinder und Jugendliche aus dem Viertel, gemeinsam wird die Geschichte auf die Bühne gebracht. Oder besser gesagt: auf den Berliner Platz. Open Air. Zwischen Plattenbau und Spielplatz. Die Karten kosten 6 Euro — nicht kostendeckend, aber immerhin für alle leistbar. Wer mehr zahlen will, kann den Soli-Preis von 25 Euro wählen.

„Hänsel und Gretel werden aus der Wohnung geworfen, der Kühlschrank ist leer, und ein verdächtig freundliches Ehepaar lockt sie in ein Hexenhaus.“ — Man könnte meinen, das ist kein Märchen, sondern die Beschreibung einer WG-Besichtigung in Schwerin-Mitte.

Schwerin: Wo Hochkultur auf Hartplatz trifft

Eigens für das Projekt haben der Theaterkomponist Wolfgang Böhmer und die preisgekrönte Dramatikerin Rebekka Kricheldorf ein neues Stück geschrieben. Regisseurin Nina Gühlstorff inszeniert. Ein Kinderchor aus Staatstheater, Konservatorium und Singakademie ist dabei. Dazu ein Bewegungschor und die Jugend-Brass-Band PotzBlech. Für den Dreesch ist das ungefähr so, als würde das Bolschoi-Theater spontan im Penny-Parkplatz gastieren.

Aber genau darum geht es: Kultur dahin bringen, wo sie normalerweise nicht hinkommt. Und in Schwerin ist das leider alles, was nicht direkt am Schloss oder einer Baustelle liegt. Der Dreesch hat rund 20.000 Einwohner, eine Straßenbahnanbindung und — bis jetzt — keinen einzigen Grund, sich kulturell angesprochen zu fühlen. Das ändert sich im Mai. Zumindest für ein paar Vorstellungen.

Und wer weiß: Vielleicht entdecken Hänsel und Gretel auf dem Berliner Platz ja tatsächlich ein Hexenhaus. Die Immobilienpreise auf dem Dreesch geben das jedenfalls her.

Bildquelle: Eky Rima Nurya Ganda / Pexels

Quellen: Mecklenburgisches Staatstheater

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