Die Schweriner Stadtvertretung hat ein offizielles Gutachten in Auftrag gegeben, um eine Frage zu klären, die die Landeshauptstadt seit Jahrzehnten umtreibt: Gibt es eigentlich genug Taxis? Spoiler: Ja. Fahren tun sie trotzdem nicht.
85 Lizenzen, 10 Taxis: Schwerins ganz eigene Mathematik
Das Ergebnis des Gutachtens liest sich wie ein Witz, den keiner bestellt hat: 85 Taxilizenzen gibt es in Schwerin. Rein rechnerisch ein solides Angebot für eine Stadt, in der man theoretisch auch zu Fuß überall hinkommt, wenn man genug Lebenszeit mitbringt. Das Problem: Nachts und am Wochenende sind laut Taxiinnung nur 10 bis 20 Wagen unterwegs. Der Rest steht vermutlich irgendwo in einer Garage und wartet auf bessere Zeiten — oder bessere Kundschaft.
„Am Wochenende fehlen Großveranstaltungen und Clubs, die Kundschaft bringen.“ — Taxiinnung Schwerin, ohne jede Ironie
Man muss das sacken lassen: Das offizielle Argument der Taxibranche, warum nachts keine Taxis fahren, ist, dass es in Schwerin nachts nichts gibt, wohin man fahren könnte. Schwerin hat kein Nachtleben — und deshalb braucht Schwerin nachts keine Taxis. Ein perfekter Kreislauf der Tristesse, den kein Gutachten der Welt durchbrechen kann.
500 Euro pro Taxi: Das Finanzamt will auch noch mitverdienen
Als wäre das Geschäftsmodell „Taxi in Schwerin“ nicht schon herausfordernd genug, kommt ab nächstem Jahr eine neue Pflicht: Jeder Betreiber muss mindestens 500 Euro pro Fahrzeug in ein System investieren, das jede einzelne Fahrt verschlüsselt und ans Finanzamt meldet. In einer Stadt, in der manche Taxifahrer an guten Abenden drei Fahrten machen, klingt das wie eine besonders aufwändige Methode, dem Finanzamt mitzuteilen, dass nichts passiert.
Und dann wäre da noch das Nachwuchsproblem. Junge Menschen in Schwerin ziehen offenbar eine Karriere in ehrenamtlicher Stadtrettung dem Taxigewerbe vor. Kann man ihnen nicht verübeln — beim Ehrenamt wird wenigstens nicht erwartet, dass man um 3 Uhr morgens auf dem Marienplatz steht und wartet, ob jemand kommt.
Das Gutachten, das niemand brauchte
Bleibt die Frage: Wer hat dieses Gutachten eigentlich bestellt, und was hat es gekostet? Die Stadtvertretung wollte wissen, ob Schwerin genug Taxis hat. Die Antwort: genug Lizenzen, zu wenig Fahrgäste, keine Clubs, kein Nachwuchs, bald teurere Technik. Kurzfassung: Schwerin hat 85 Taxis, die keiner braucht, weil es nichts gibt, wohin sie einen bringen könnten. Hätte man auch einfach einen Schweriner fragen können — aber dann hätte man kein offizielles Dokument mit Briefkopf.
Immerhin: Wer es trotzdem mal mit einem Taxi versuchen will, sollte das unter der Woche tagsüber tun. Also genau dann, wenn man auch den Bus nach Hamburg nehmen könnte. Aber hey — man hat ja die Wahl. Theoretisch.
Bildquelle: Samuel Isaacs / Unsplash
Quellen: NDR
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