OB-Wahl 2026

Grüner wirbt für CDU-Kandidaten: Schwerins Kreisverband entdeckt die Meinungsfreiheit

Es gibt Momente, die selbst in Schwerin für kollektives Stutzen sorgen. Martin Neuhaus, Stadtvertreter der Grünen, hat sich auf einem großformatigen Wahlplakat für den CDU-Kandidaten Sebastian Ehlers ausgesprochen. Wohlgemerkt: Die Grünen in Schwerin unterstützen offiziell SPD-Kandidatin Mandy Pfeifer. Neuhaus findet aber, Ehlers könne die Stadt „vereinen“. Ob er damit Schwerin meint oder seine eigene Partei, ließ er offen.

Antrag auf Doppel-Unterstützung scheiterte

Neuhaus hatte im Kreisverband zunächst beantragt, sowohl Pfeifer als auch Ehlers zu unterstützen. Also quasi ein politisches „Ich liebe euch beide“. Der Antrag fand keine Mehrheit. Die Grünen konnten sich offenbar nicht dazu durchringen, gleichzeitig SPD und CDU toll zu finden. Man könnte es Prinzipientreue nennen. Man könnte es aber auch als verpasste Chance sehen, endlich beiden Volksparteien gleichzeitig zu gefallen.

„Es sei Martin Neuhaus überlassen, wen er unterstütze, solange er dies nicht explizit im Namen der Grünen mache.“

Regina Dorfmann, Grünen-Kreisverbandsvorsitzende, über die Grenzen innerparteilicher Toleranz

Die Kreisverbandsvorsitzende Regina Dorfmann reagierte betont gelassen. Neuhaus dürfe unterstützen, wen er wolle, solange er nicht im Namen der Grünen spreche. Das Plakat zeigt demnach Martin Neuhaus als Privatperson. Einen Grünen-Stadtvertreter, der privat CDU empfiehlt. In einer Stadt, in der die Grünen ohnehin um jede Stimme kämpfen. Klingt nach einer durchdachten Strategie.

Ehlers sammelt ungewöhnliche Verbündete

Für CDU-Kandidat Ehlers dürfte die grüne Wahlhilfe ein willkommenes Geschenk sein. Im Wahlkampf gegen sechs Konkurrenten kann man jede Unterstützung gebrauchen, auch wenn sie aus dem Lager kommt, das eigentlich den Gegner unterstützt. Politisch betrachtet wirft der Vorgang allerdings Fragen auf: Wenn ein Grüner einen CDU-Mann empfiehlt, der sich persönlich für mehr Videoüberwachung ausspricht und seinen Wahlkampf im Kino mit AfD-Abgrenzungsrhetorik startete, dann könnte man sich fragen, wie breit das politische Spektrum in Schwerin eigentlich noch ist.

Aber vielleicht ist das auch einfach Schwerin im Wahlkampfmodus: Eine Stadt mit 98.000 Einwohnern, sieben OB-Kandidaten und jetzt auch noch innerparteilichen Empfehlungs-Rebellen. In größeren Städten würde so ein Plakatchen untergehen. In der Landeshauptstadt ist es eine Nachricht beim NDR.

Quellen: NDR

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