Seit Januar liegt ein halb versunkenes Motorboot an der Ziegelseepromenade in Schwerin. Es wurde nicht geborgen. Es wurde nicht entfernt. Stattdessen hat es jetzt angefangen, Öl in den See laufen zu lassen. Weil natürlich.
Behörden-Pingpong auf Weltklasse-Niveau
Die Stadt sagt: Nicht unser Boot, nicht unsere Zuständigkeit. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe in Lauenburg sagt: Wir haben dem Eigentümer eine Frist gesetzt. Die Grünen sagen: Die Stadt hat jahrelang geduldet, dass das Ding da vor sich hin gammelt, bewohnt wird, mit Stromaggregaten betrieben wird und keine Ver- oder Entsorgung hat. Die Stadt sagt: „Eine dauerhafte Wohnnutzung konnte nicht nachgewiesen werden.“ Das Boot sagt: Gluck, gluck.
„Hinwirken ersetzt keine Rechtsdurchsetzung“, betont der Grünen-Fraktionschef Arndt Müller. „Wenn ein Zustand für alle sichtbar problematisch ist, dann reicht es nicht, freundlich zuzureden oder Verantwortung weiterzureichen.“
Um die Situation zusammenzufassen: Es gibt ein gesunkenes Boot, das Öl verliert. Es gibt eine Stadt, die keine Zuständigkeit sieht. Es gibt ein Bundesamt, das Fristen setzt, die offenbar dekorativ sind. Es gibt Ölsperren, die die Feuerwehr ausgelegt hat. Und es gibt eine Promenade, die langsam den Charme eines verlassenen Industriehafens entwickelt.
Vom Gammelboot zum Umweltskandal in drei Monaten
Im Januar sank das Boot. Die Feuerwehr kam, legte Ölsperren. Eine Tauchfirma sollte bergen. Zwei Monate später liegt das Wrack noch immer da, jetzt mit Ölfilm als Bonus. In der Zwischenzeit hat sich sogar Ministerpräsidentin Manuela Schwesig eingeschaltet und den Landesbehörden Druck gemacht. Wenn die Ministerpräsidentin sich persönlich um ein einzelnes Boot kümmern muss, sagt das eigentlich alles über die Handlungsfähigkeit der zuständigen Behörden.
Die Anwohner am Ziegelsee haben inzwischen die volle Palette erlebt: Gammelboote, unerlaubtes Ankern, Drogendelikte und vor einigen Wochen sogar einen Leichenfund auf einem der Boote. Die Geisterboote am Ziegelsee sind mittlerweile eine eigene Serie — nur ohne Drehbuch und ohne Happy End.
Aber hey, immerhin kontrolliert der Kommunale Ordnungsdienst regelmäßig. Er hat auch „intensiv hingewirkt“. Was genau das bedeutet, bleibt das bestgehütete Geheimnis der Schweriner Verwaltung — direkt nach der Frage, warum ein offensichtlich verwahrlostes Boot jahrelang geduldet wurde.
Quellen: Nordkurier, Ostsee-Zeitung
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