Kultur

Freilichtmuseum Mueß startet Saison — Besucher dürfen Baustelle live erleben

Es ist offiziell: Das Freilichtmuseum für Volkskunde Schwerin-Mueß öffnet am 17. März seine Tore — und damit früher als üblich. Der Grund ist vermutlich nicht überschäumende Vorfreude, sondern die schlichte Erkenntnis, dass man auch im März schon Eintritt kassieren kann. Schließlich muss das Geld für die Großbaustelle irgendwo herkommen.

Sechs Millionen für ein Eingangsgebäude — Schwerin baut im Museumstempo

Denn das Freilichtmuseum wird in diesem Jahr von einer „umfassenden Sanierung“ begleitet. Das Bauernhaus der Hufe 5, ein zentrales Gebäude des Museums, wird komplett saniert. Zusätzlich entsteht ein neuer Spielplatz mit Seezugang auf einer Teilfläche des Geländes. Und als wäre das nicht genug, plant die Stadt ein komplett neues Eingangsgebäude — für geschätzte sechs Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes.

Sechs Millionen. Für ein Eingangsgebäude. In Mueß. Man fragt sich, ob für dieses Budget ein Portal aus Carrara-Marmor geplant ist oder ob einfach jeder Handwerker in MV seinen üblichen Preisaufschlag nimmt.

„Wir leiten hiermit die von der Stadtvertretung beschlossene Revitalisierung des Museumsstandortes ein.“

Silvio Horn, Kultur- und Finanzdezernent. „Revitalisierung“ ist das offizielle Wort für: Es war höchste Zeit.

Besonders charmant: Trotz der Baustellen bleibt das Museum geöffnet. Die Besucher können den „Baufortschritt direkt verfolgen“. Ein Angebot, das man anderswo als Belästigung bezeichnen würde, in Schwerin aber als Zusatzattraktion vermarktet wird. Demnächst im Programmheft: „Erleben Sie authentisches Bauhandwerk — live und in Farbe, während Sie eigentlich die Dorfschule besichtigen wollten.“

Eierlauf und Einmaleins — Ferienprogramm wie 1926

Die Saison 2026 bietet ansonsten das Erwartbare: Mitmach-Tanzabende, Aufführungen der Fritz-Reuter-Bühne, Ferienmittwoche und einen Kunsthandwerkermarkt im Advent. Neu im Programm sind eine Beteiligung an „Kunst Offen“ mit zwei Künstlern und Live-Musik zu Pfingsten. Zwei Künstler. Man hat sich nicht lumpen lassen.

In den Osterferien dürfen Kinder beim Programm „Eierlauf und Einmaleins“ eine historische Schulstunde erleben. Ein Dorfschullehrer erklärt den Alltag von früher. Angesichts der Digitalisierungsgeschwindigkeit in Schwerin ist der Unterschied zu heute vermutlich geringer, als man denken würde.

Museumsleiterin Melanie Kramer zeigt sich stolz auf wachsende Besucherzahlen — „trotz des Einschnitts durch die ersten Bauarbeiten“. In Schwerin ist das eine bemerkenswerte Leistung. Normalerweise sinken hier die Zahlen bei allem: Einwohner, Geburten, Busfahrgäste. Dass ausgerechnet ein Museum den Trend bricht, hat etwas Rührendes.

Schwerin hat damit eine Kultureinrichtung, die funktioniert, wächst und sogar Bundesgelder anzieht. Wenn das Eingangsgebäude fertig ist, wird es vermutlich das modernste Gebäude der gesamten Landeshauptstadt. Vorausgesetzt, es wird vor 2035 fertig. Aber in Schwerin hat man ja gelernt, in langen Zeiträumen zu denken.

Titelbild: Wolfgang Weiser / Unsplash

Quellen: SN-Aktuell

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