Klartext

Flughafen Schwerin-Parchim: Die teuerste Wiese Mecklenburgs

Es gibt Projekte, die scheitern. Und es gibt den Flughafen Schwerin-Parchim. Der ist nicht gescheitert, der hat das Scheitern zur Kunstform erhoben. 67,7 Millionen Euro an öffentlichen Investitionen zwischen 1991 und 1999. Ein chinesischer Investor, der 30 Millionen zahlen sollte und einen Tower hinstellte. Mehrere Insolvenzen. Und am Ende: eine Rollbahn, auf der eine Spedition Autos parkt.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern hat einen Flughafen, der keiner mehr ist. Keine Betriebserlaubnis seit 2023. Kein Flugbetrieb. Keine Perspektive. Dafür gehört das Gelände zum Teil einem chinesischen Unternehmen namens „Henan Link Global Logistics“ und zum Teil einem australischen Immobilienfonds. Internationaler geht’s nicht, fliegen tut trotzdem niemand.

Die China-Fantasie

2007 kaufte der chinesische Investor Jonathan Pang den Flughafen. Sein Plan: Ein Luftfracht-Drehkreuz zwischen China und Europa. Dazu ein Luxus-Shoppingcenter für Hunderttausende chinesische Touristen. In Parchim. Einer 18.000-Einwohner-Stadt in Mecklenburg. Wer diesen Plan mit ernstem Gesicht vorgetragen hat, verdient eigentlich einen Preis für Performance-Kunst.

Von den vereinbarten 30 Millionen Euro Kaufpreis zahlte Pang: deutlich weniger. Der Landkreis erließ ihm nach „langen Verhandlungen“ 12 Millionen. Gebaut wurde: ein Tower und eine erweiterte Abfertigungshalle. Das war’s. Seit 2019 laufen Insolvenzverfahren gegen drei von Pang gegründete deutsche Unternehmen. Die Grundstücke liegen in ausländischer Hand, die Verfahren ziehen sich, und der Flughafen steht still.

Das einzige, was in Parchim regelmäßig abhebt, sind die Erwartungen. Und die landen jedes Mal hart.

So oder so ähnlich: Ein Parchimer Stadtvertreter

67 Millionen Euro für eine Autoabstellfläche

Zwischen 1991 und 1999 flossen 67,7 Millionen Euro an öffentlichen Geldern in den Ausbau des ehemaligen Militärflughafens. Start- und Landebahn, Vorfeld, Infrastruktur. Das Geld kam aus Bundes- und Landesfördertöpfen, also von uns allen. Der Gegenwert im Jahr 2026: eine 3.000 Meter lange Betonpiste, auf der Gebrauchtwagen stehen.

Zum Vergleich: Für 67 Millionen Euro hätte man in Schwerin das komplette Straßenbahnnetz modernisieren können. Oder den Hauptbahnhof in etwas verwandeln, das nicht nach DDR-Charme riecht. Oder, wenn wir schon fantasieren, in ein paar Glasfaserleitungen investieren, damit das Internet in Schwerin endlich im 21. Jahrhundert ankommt.

Stattdessen hat man den Traum vom internationalen Frachtdrehkreuz in der mecklenburgischen Pampa geträumt. Und ist aufgewacht mit einer leeren Rollbahn und juristischen Altlasten, die sich über Ländergrenzen hinweg ziehen.

Die Stadt Parchim teilt auf Anfrage mit, man stehe „in stetem Kontakt zum chinesischen Eigentümer“. Na dann. Solange jemand Kontakt hält, ist ja alles gut. Die 67 Millionen kommen bestimmt auch bald zurück.

Der Flughafen Schwerin-Parchim: Ein Denkmal dafür, was passiert, wenn Größenwahn auf Provinz trifft. Und die Provinz verliert. Wie immer.

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