Gesellschaft

Erster Wein aus Schwerin: Landeshauptstadt braucht nur 521 Jahre für ein Comeback

Was 2016 als lockerer Gedanke bei einem Spaziergang begann, ist jetzt offiziell: Schwerin hat wieder Wein. 600 Flaschen Solaris, abgefüllt auf der Halbinsel Krösnitz. In einer Stadt, die es seit 1505 nicht mehr geschafft hat, einen eigenen Tropfen zu produzieren, ist das praktisch ein Quantensprung.

Stare, Bürokratie und ein langer Anlauf

Diana und Axel Kämmerer pflanzten 2019 die ersten Rebstöcke auf eine naturbelassene Fläche. Dann passierte, was in Schwerin immer passiert: Es dauerte. Die offizielle Genehmigung für den Weinbau kam erst 2021. 2023 fraßen Stare die komplette Ernte. Schwerin und Rückschläge, eine Liebesgeschichte in Endlosschleife.

2024 klappte es dann endlich mit dem ersten Most. Im März 2026 wurden die 600 Flaschen abgefüllt, unter den Augen von Oberbürgermeister Bernd Nottebaum, der laut Schwerin-Lokal befand: „Der schmeckt gut.“ Ein Satz, der in Schwerin als überschwängliche Begeisterung durchgeht.

„521 Jahre zwischen dem letzten und dem nächsten Wein. In Franken nennen die das einen schlechten Jahrgang. In Schwerin nennen wir das Stadtentwicklung.“

Ein Anwohner aus Krösnitz

2.000 Rebstöcke und ein paar Kamerunschafe

Auf der Krösnitz stehen mittlerweile rund 2.000 Rebstöcke. Kamerunschafe pflegen die Wiesen zwischen den Reben, ohne die Pflanzen anzuknabbern. Ein Weinbergweg lädt Spaziergänger ein. Das klingt nach Toskana, liegt aber an einem See, in dem man im September schon Handschuhe braucht.

Stadtpräsident Sebastian Ehlers sieht großes Potenzial und will den Krösnitzer Wein in die Welterbe-Vermarktung integrieren. Schwerin hat seit 2024 UNESCO-Welterbestatus, und nichts schreit „Weltkulturerbe“ lauter als 600 Flaschen Weißwein von einer Halbinsel, die die meisten Schweriner nicht auf der Karte finden.

Historisch ist das Ganze immerhin fundiert: Bereits 1505 gab es einen Weinberg in Schwerin, und im Mittelalter betrieben Zisterzienser-Mönche in der Region Weinbau. Die Mönche gaben irgendwann auf. Vermutlich, weil sie nach Schwerin gezogen waren und die Motivation verloren hatten.

„Ich trinke den Schweriner Wein. Nicht weil er besser ist als andere, sondern weil er überhaupt existiert. Das allein ist in dieser Stadt ein Wunder.“

Eine Weinliebhaberin vom Pfaffenteich

Die Kämmerers haben jedenfalls bewiesen, dass in Schwerin Dinge wachsen können, wenn man ihnen genug Zeit gibt. 521 Jahre für ein Weinbau-Comeback. Das nächste Großprojekt der Landeshauptstadt, vielleicht ein funktionierendes WLAN im Rathaus, dürfte nach dieser Logik ungefähr 2547 fertig sein.

Quellen: Schwerin-Lokal

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