Kurioses

Erste verkaufsoffene Sonntage in Schwerin: Einzelhändler fordern nach drei Stunden Schließung zurück

Schwerin. Es sollte der große Wurf werden: Ab dem 15. März dürfen Schweriner Geschäfte erstmals auch sonntags ihre Türen öffnen. Doch schon die Generalprobe in den Köpfen der Einzelhändler gerät zum Desaster. Nach einer dreistündigen Simulationsübung, bei der Ladenbetreiber am Marienplatz ihre Geschäfte probeweise öffneten, fordern nun 14 von 17 teilnehmenden Händlern die sofortige Rücknahme der Regelung.

„Wir haben drei Stunden lang die Regale abgestaubt — zweimal“

Der Auslöser: eine neue Öffnungszeitenverordnung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, die Kommunen mehr Freiheiten bei verkaufsoffenen Sonntagen einräumt. Was in Rostock oder Wismar als willkommene Belebung gilt, löst in Schwerin vor allem eins aus: Panik vor der Stille.

„Unter der Woche kommen schon kaum Leute. Jetzt sollen wir auch noch sonntags hier sitzen und warten?“, so eine Boutique-Besitzerin, die anonym bleiben möchte. Ihre Kollegin vom Modegeschäft nebenan sei während der Simulation eingeschlafen — auf dem eigenen Verkaufstresen.

„Ich habe in drei Stunden exakt einen Menschen gesehen. Der wollte nach dem Weg zum Schloss fragen. Als ich sagte, wir sind ein Schuhgeschäft, hat er sich entschuldigt und ist gegangen.“

— Ralf-Dieter Knappe, Inhaber von „Knappes Schuhparadies“ am Marienplatz, Dezernent für optimistische Fußbekleidung

Die Stadtverwaltung hatte die Sonntagsöffnung als „historische Chance für den Einzelhandel“ angepriesen. In einer Pressemitteilung war von „pulsierendem Innenstadtleben“ und „neuen Impulsen für die lokale Wirtschaft“ die Rede. Interims-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum soll die Regelung als „Meilenstein der Schweriner Einkaufskultur“ bezeichnet haben — so oder so ähnlich jedenfalls.

Kressmann meldet Rekordumsatz: 4,80 Euro

Einzig das Kaufhaus Kressmann konnte der Sonntagssimulation etwas Positives abgewinnen. Eine Stammkundin, 84, habe dort ein Paar Socken erworben. „4,80 Euro Umsatz an einem Sonntag — das könnte Schule machen“, erklärte eine Sprecherin des Kaufhauses mit einer Begeisterung, die man in Schwerin sonst nur bei Schloss-Sonnenuntergängen erlebt.

Die Schweriner Höfe, das vermeintliche Herzstück der Innenstadt, blieben während der Simulation komplett leer. Ein Sicherheitsmitarbeiter soll dort laut Augenzeugen ein Kreuzworträtsel vollendet, einen Kaffee getrunken und anschließend ein Nickerchen gemacht haben — alles innerhalb der regulären Arbeitszeit.

Besonders bitter: Die Nachbarstadt Rostock meldet bei verkaufsoffenen Sonntagen regelmäßig Besucherzahlen im fünfstelligen Bereich. In Schwerin reicht ein einzelner Tourist, der versehentlich den Stadtplan falsch gelesen hat, bereits als statistischer Ausreißer.

„Wir haben jetzt eine interfraktionelle Arbeitsgruppe gegründet, die prüfen soll, ob eine weitere Arbeitsgruppe die Sonntagsöffnung evaluieren könnte. Ergebnisse erwarten wir frühestens 2028.“

— Ein Mitglied der Stadtvertretung, Fachbereich Entscheidungsvermeidung

Die 14 Händler haben inzwischen eine Petition eingereicht, in der sie fordern, die Sonntagsruhe „als immaterielles Kulturerbe der Landeshauptstadt“ schützen zu lassen. Schwerin sei schließlich nicht irgendeine Stadt, sondern die Landeshauptstadt, die es geschafft habe, den Sonntag bereits unter der Woche flächendeckend einzuführen.

Die Schweriner Stadtverwaltung war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Es war Sonntag.

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