In Schwerin hat eine Bürgerinitiative mit dem klangvollen Namen „Freifahrt.Jetzt.Schwerin“ mehr als 2.000 Unterschriften gesammelt, damit alle Einwohner künftig elf Euro im Monat für den Nahverkehr bezahlen — egal ob sie Bus fahren oder nicht. Das nennt sich Solidarität. Oder wie man in Schwerin sagt: Zwangsabgabe mit Herz.
2.252 Unterschriften für die schönste Utopie seit dem Wonnemar-Neubau
Am Freitag übergab Gottreich Albrecht von der Bürgerinitiative die 2.252 gültigen Unterschriften an Stadtpräsident Sebastian Ehlers. Direkt vor dem Rathaus, versteht sich — denn zum Rathaus fährt bekanntlich kein Bus. Ehlers nahm die Papiere entgegen und dankte artig für das Engagement. Ein CDU-Politiker, der für kostenlosen ÖPNV dankt — das ist ungefähr so überzeugend wie ein Vegetarier, der sich für die Bratwurst am Marienplatz bedankt.
Bereits am Montag soll die Stadtvertretung über die Zulässigkeit des Einwohnerantrags entscheiden. Spoiler: Der Antrag ist zulässig. Was die Stadtvertreter dann damit machen, steht auf einem anderen Blatt — vermutlich auf einem, das in irgendeinem Ausschuss verschwindet wie ein Investor in der Realisiertungsphase.
„Es ist der zweite Anlauf für einen entsprechenden Antrag.“ — Wer in Schwerin beim ersten Versuch Erfolg erwartet, hat die Stadt nicht verstanden.
Das Konzept: Alle zahlen, keiner fährt
Die Idee klingt zunächst bestechend einfach: Jeder erwachsene Schweriner zahlt elf Euro im Monat, dafür ist der Nahverkehr für alle kostenlos. Dazu kommen ein Pendlerticket und ein Touristenticket — für die drei Touristen, die sich jedes Jahr nach Schwerin verirren und nicht sofort zum ICE nach Hamburg weiterlaufen.
Die Initiative verspricht eine „Stärkung des ÖPNV“, eine „Verbesserung der Solidargemeinschaft“ und eine „Erhöhung der Teilnahmegerechtigkeit am öffentlichen Leben“. Das sind so viele Buzzwords in einem Satz, dass man damit locker eine Bewerbung für einen EU-Fördertopf schreiben könnte.
Stadtpräsident Ehlers gab diplomatisch zu bedenken, dass „die finanziellen Mittel knapp seien und der ÖPNV in Schwerin seit Jahren bezuschusst werde“. Übersetzt: Die Stadt kann sich den Nahverkehr schon jetzt kaum leisten — aber klar, machen wir ihn einfach kostenlos. Was soll schon schiefgehen?
Die Sitzung der Stadtvertretung beginnt am Montag um 18 Uhr im Demmlersaal. Wer mit dem Bus kommen will: Viel Glück. Der fährt um die Zeit nur noch alle 40 Minuten.
Quellen: Nordkurier
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