Klartext

Die A14: Schwerins Autobahn ins Nirgendwo

Es gibt Bauprojekte, die werden irgendwann fertig. Und dann gibt es die A14. Die Autobahn, die Schwerin mit Magdeburg verbinden soll, ist so etwas wie das Synonym für deutsche Infrastrukturplanung: ambitioniert angekündigt, endlos verzögert, und am Ende fragt keiner mehr, wann es eigentlich losgehen sollte.

Der sogenannte Lückenschluss der A14 umfasst 155 Kilometer zwischen Schwerin und Magdeburg. 155 Kilometer, die seit über 20 Jahren in Planung sind. Die ersten Spatenstiche gab es 2006. Damals hieß es: 2015 ist alles fertig. Dann 2020. Dann 2025. Stand März 2026 wird auf vier Teilabschnitten gleichzeitig gebaut, und der letzte Abschnitt zwischen Osterburg und Seehausen soll frühestens 2030 oder 2031 fertig werden. Frühestens.

20 Jahre Planung, 155 Kilometer Frust

Wer heute von Schwerin nach Magdeburg fahren will, braucht über die Bundesstraßen gut zweieinhalb Stunden. Mit funktionierender A14 wäre es in anderthalb zu schaffen. Das sind pro Fahrt 60 Minuten, die Pendler, Spediteure und alle anderen seit zwei Jahrzehnten verlieren. Tag für Tag. Rechnet man das auf die geschätzten Nutzer hoch, sind das Millionen verschwendeter Lebensstunden.

Die Gründe für die Verzögerungen lesen sich wie ein Best-of deutscher Bürokratie: ökologische Auflagen, archäologische Funde, Leitungsverlegungen, Klagen von Anwohnern, Planungsänderungen, Baustopp wegen Fledermäusen. Ja, Fledermäuse. Die A14 hat mehr Artenschutzgutachten als Kilometer Asphalt.

Die A14 ist keine Autobahn. Die A14 ist ein Generationenprojekt. Mein Vater hat sich drauf gefreut, ich warte noch, und mein Sohn wird sie vielleicht einweihen.

So oder so ähnlich: Ein Pendler aus Schwerin

Für Schwerin ist die fehlende Autobahnanbindung nach Süden mehr als ein Ärgernis. Es ist ein wirtschaftlicher Standortnachteil, der sich in Zahlen messen lässt. Welches Unternehmen siedelt sich in einer Landeshauptstadt an, die verkehrstechnisch in einer Sackgasse liegt? Nach Norden die Ostsee, nach Westen Hamburg über die A24, nach Osten Berlin über die A24. Aber nach Süden? Bundesstraße. Durch jedes Dorf.

Die teuerste Landstraßenumleitung Deutschlands

Die Gesamtkosten des Projekts liegen mittlerweile bei geschätzten 1,7 Milliarden Euro. Ursprünglich waren deutlich weniger geplant. Aber wer rechnet schon damit, dass ein Autobahnbau in Deutschland im Zeitplan bleibt? Die DEGES, die das Projekt betreut, spricht von „planmäßigem Fortschritt“. Planmäßig nach welchem Plan, möchte man fragen. Nach dem von 2006? Oder dem von 2019? Oder dem aktuellen, der schon wieder veraltet sein dürfte, wenn dieser Text erscheint?

Zum Vergleich: China baut 10.000 Kilometer Autobahn pro Jahr. Deutschland schafft es nicht, 155 Kilometer in 20 Jahren fertigzustellen. Man muss kein Fan autoritärer Systeme sein, um da leise zu schlucken.

Die Wahrheit ist: Die A14 steht stellvertretend für alles, was in der deutschen Infrastrukturpolitik schiefläuft. Überregulierung, Zuständigkeitschaos zwischen Bund, Ländern und Autobahn GmbH, endlose Einspruchsverfahren. Und am Ende sitzt Schwerin da, die kleinste Landeshauptstadt Deutschlands, und wartet. Wie immer.

Vielleicht sollte man die A14 umbenennen. In B14. Dann wäre wenigstens der Name ehrlich.

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