Das Bündnis Sahra Wagenknecht hat auf seinem Landesparteitag in Schwerin den Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 20. September gewählt. Peter Schabbel setzte sich gegen zwei Gegenkandidaten durch. Bei 135 abgegebenen Stimmen und fünf Prozent in den Umfragen ist das beeindruckend — intern hat die Partei offenbar mehr Anhänger als extern.
Chaos als Markenkern
Der Parteitag in Schwerin war der vorläufige Höhepunkt einer Serie von Turbulenzen. Co-Landesvorsitzender Peter Langer war Anfang Februar nach nur vier Monaten im Amt zurückgetreten — „persönliche Gründe“, wie es hieß. Der Posten wurde danach einfach nicht mehr besetzt. Beim BSW in MV gilt: Wo kein Vorsitzender, da kein Problem. Effizienz durch Personalabbau.
Ein Landesverband, der seinen Co-Vorsitzenden schneller verschleißt als ein Schweriner Busfahrer seinen Blutdruck — und sich trotzdem für regierungsfähig hält.
Schabbel ist seit Ende 2024 in der Parteiführung und seit Oktober 2025 Landeschef. In normalen Parteien würde man das „Erfahrung“ nennen. Beim BSW ist es bereits eine halbe Ewigkeit. Die Partei hat mehr Führungswechsel pro Jahr als die Schweriner Ehrenamtsszene Mitglieder.
Fünf Prozent: Das neue Ziel ist Überleben
Die Ausgangslage ist übersichtlich: Eine Februar-Umfrage sieht die AfD bei 37 Prozent, die SPD bei 23, die CDU bei 13, die Linke bei 11 — und das BSW bei fünf Prozent. Genau an der Hürde. Spannender als jeder Krimi, nur mit weniger Zuschauern.
Parallel dazu hat auch die Linke ihre Spitzenkandidatin gewählt: Bildungsministerin Simone Oldenburg, mit 69,3 Prozent. Zum Vergleich: Schabbel kam auf 68,1 Prozent. Das Rennen um die überzeugendste Beinahe-Zwei-Drittel-Mehrheit geht damit knapp an die Linke. Ein Vorsprung, der in der Bedeutungslosigkeit allerdings auch nicht mehr hilft — Fünf-Prozent-Parteien kennen das Gefühl.
Am Ende bleibt die Frage: Braucht MV wirklich noch eine Partei, die sich selbst nicht einig ist, ob sie überhaupt existieren will? Die Antwort gibt der Wähler im September. Oder das BSW löst sich bis dahin in einem weiteren „persönliche Gründe“-Rücktritt einfach selbst auf. In Schwerin würde das niemanden überraschen. Hier ist man Verschwundenes gewohnt.
Quellen: ZEIT Online / AFP
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