Am 23. März verwandelt sich das Perzina-Haus in Schwerin in einen kulinarischen Debattierclub. Von 9.30 bis 16.30 Uhr — also sieben Stunden — werden 60 Menschen aus Politik, Verwaltung, Landwirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft darüber reden, wie das Essen in Kitas und Schulen nachhaltiger wird. Der Titel des Spektakels: „Bio, regional, bezahlbar? Geht das?“
Spoiler: Nein. Aber darüber reden kostet erstmal nichts.
In Mecklenburg-Vorpommern werden täglich mehr als 100.000 Mahlzeiten in Kitas und Schulen ausgegeben. Das ist eine beeindruckende Zahl — vor allem wenn man bedenkt, dass ein Großteil davon vermutlich in Mülleimern landet, weil Sechsjährige nun mal keine Quinoa-Bowls wollen.
Eingeladen hat der Verband BIO in MV zusammen mit dem Forschungsprojekt „RegioVers“. Allein der Name klingt so, als hätte jemand in einem Fördermittelantrag Buchstaben gewürfelt. Es gibt Fachimpulse, Praxisberichte, Workshops und eine Podiumsdiskussion. Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus ist auch dabei — der Mann, der in MV bei jeder zweiten Veranstaltung auf der Bühne steht, egal ob es um Bio-Möhren oder Offshore-Windparks geht.
„Wie lässt sich ein höherer Bio-Anteil in öffentlichen Einrichtungen attraktiv und bezahlbar umsetzen?“ — Die Organisatoren, vermutlich ohne jemals eine Grundschul-Kantine von innen gesehen zu haben.
Die drei Kernfragen des Forums sind so herrlich deutsch, dass man weinen möchte: Wie kriegen wir Bio bezahlbar hin? Welche politischen Rahmenbedingungen brauchen wir? Und wie stärken wir bioregionale Landwirtschaft? Fehlt nur noch: Wie erklären wir das einem Fünfjährigen, der gerade sein drittes „Bäh!“ in Richtung Brokkoli geschrien hat?
Schwerin: Wo Digitalisierung am Friedhof anfängt und Ernährungspolitik im Perzina-Haus endet
Während der Jugendrat erklärt, dass ein WLAN-Router keine Bildungsrevolution macht, debattieren die Erwachsenen lieber übers Mittagessen. Prioritäten. In einer Stadt, in der man Barkultur gegen Brathähnchen tauscht, ist Bio-Schulessen vielleicht tatsächlich der nächste logische Schritt — oder der übernächste, je nachdem wie lange das Dialogforum dauert.
Man darf gespannt sein, ob nach sieben Stunden Diskussion konkrete Ergebnisse rauskommen. Oder ob die 60 Teilnehmenden am Ende des Tages gemeinsam in der nächsten Pommesbude landen. Wäre zumindest regional.
Quellen: schwerin.news
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