Kurioses

Bewaffneter Raubüberfall in Krebsförden: 21-Jährige erbeutet mit Fleischgabel ein Stück Fleisch im Wert von zehn Euro

In Schwerin werden die Verbrechen immer dreister, die Beute immer bescheidener. Am Dienstagnachmittag hat eine 21-jährige Schwerinerin einen Imbisswagen in Krebsförden überfallen. Ihre Waffe: eine Fleischgabel. Ihre Beute: ein Stück Fleisch. Geschätzter Wert: zehn Euro. Die Landeshauptstadt, die sich gerade als UNESCO-Welterbe feiert, hat jetzt auch kriminaltechnisch ein neues Level erreicht.

Die Tat: Präzise geplant wie ein Schweriner Bauvorhaben

Der Tathergang liest sich wie ein Drehbuch, das selbst RTL II abgelehnt hätte. Gegen 17 Uhr betrat die Frau durch eine offenstehende Tür einen Imbisswagen in der Karl-Kleinschmidt-Straße. Der 43-jährige Verkäufer forderte sie auf, den Verkaufsraum zu verlassen. Statt dem nachzukommen, griff die Tatverdächtige zu einer im Imbiss befindlichen Fleischgabel und bedrohte damit den Verkäufer. Anschließend nahm sie ein zum Verkauf bestimmtes Fleischstück im Wert von etwa zehn Euro an sich und verließ den Tatort.

Die Polizei konnte die 21-Jährige kurze Zeit später im Rahmen der Fahndung antreffen. Die Reste des erbeuteten Imbisses fanden die Beamten im Eingangsbereich eines Wohnhauses. Ein Atemalkoholtest ergab einen Wert von 2,04 Promille. Das Amtsgericht Schwerin erließ Haftbefehl. Untersuchungshaft. Wegen zehn Euro Fleisch.

„Ich hab mich erst gefragt, ob das eine Kundin ist oder ein Überfall. Dann hat sie die Fleischgabel gezückt und ich wusste: In Schwerin ist beides möglich.“

So ein Anwohner über die Szene, die sich so nur in einer Stadt abspielen kann, in der das Drama des Alltags regelmäßig die Satire überholt. In anderen Landeshauptstädten rauben sie Juweliere aus. In Schwerin bewaffnet man sich mit Grillzubehör und geht auf Fleischjagd.

Kosten-Nutzen-Analyse: U-Haft für ein Nackensteak

Rechnen wir kurz durch. Die Beute: zehn Euro. Die Kosten eines Hafttags in Mecklenburg-Vorpommern: rund 150 Euro für den Steuerzahler. Dazu kommen Polizeieinsatz, Fahndung, Staatsanwaltschaft, Amtsgericht, Pflichtverteidiger. Wir reden konservativ geschätzt von mehreren tausend Euro Verfahrenskosten. Für ein Stück Fleisch, das die Täterin nicht mal in Ruhe essen konnte, weil sie es im Hausflur runterschlingen musste.

2,04 Promille am Nachmittag um 17 Uhr, das ist selbst für Krebsförden eine Ansage. Der Stadtteil, der schon bei der Vergabe von 40.000 Quadratmetern städtischem Bauland Schlagzeilen machte, hat jetzt auch seinen ersten dokumentierten Fleischgabel-Überfall. Es gibt Stadtteile, die werden für ihre Architektur bekannt. Andere für ihre Parks. Krebsförden hat jetzt bewaffneten Imbiss-Raub.

Während die neue Polizeiwache am Marienplatz gerade erst bezogen wird, liefert die Schweriner Kriminalstatistik schon das passende Einweihungsgeschenk. Der Tatbestand heißt übrigens offiziell „Raub“ und nicht etwa „verzweifelte Nahrungsbeschaffung mit improvisierten Mitteln“, auch wenn Letzteres den Sachverhalt deutlich präziser beschreiben würde.

Bleibt die Frage, die sich ganz Schwerin stellt: Wenn man für zehn Euro Fleisch in U-Haft wandert, was bekommt man dann für einen ganzen Döner? Lebenslänglich? In einer Stadt, in der die Lieferdienst-Auswahl zu 75 Prozent aus Döner besteht, ist das keine rhetorische Frage. Das ist Risikomanagement.

Quellen: schwerin-lokal.de

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