Die ASK Schwerin hat Anträge auf Abwahl von Stadtpräsident Sebastian Ehlers und der stellvertretenden Stadtpräsidentin Cordula Manow eingereicht. Der Vorwurf: Ehlers habe sein Amt für den OB-Wahlkampf instrumentalisiert, die Öffentlichkeit im Lankow-Spielplatz-Streit getäuscht und Kinderrechte mit der Sorgfalt eines abgelaufenen TÜV-Prüfers behandelt.
Damit könnte der CDU-OB-Kandidat einen Rekord aufstellen, den selbst Schwerin noch nicht gesehen hat: Gleichzeitig für ein Amt kandidieren und aus dem anderen rausfliegen. Effizienz sieht anders aus, aber immerhin zweigleisig.
Spendenaktion, die keiner bestellt hat
Im Kern geht es um die mittlerweile legendäre Spendenaktion für den Spielplatz an der Kieler Straße. Ehlers und Manow hatten behauptet, es gebe gesperrte Bereiche auf dem Spielplatz. Die ASK sagt: nichts gesperrt, alles bespielbar, die Sicherheit war objektiv gegeben. Die offizielle Spielplatzkonzeption der Stadt bestätigt: „Auf dem Spielplatz sind keine Veränderungen notwendig.“
Dass die Spendenaktion unter Nutzung der Amtsbezeichnung „Stadtpräsident“ lief, macht die Sache laut ASK zum politischen Problem. Oder wie ASK-Stadtvertreter Karsten Jagau es sieht: Wer mit dem Titel „Stadtpräsident“ sammelt, sollte vielleicht vorher prüfen, ob es auch was zu sammeln gibt.
Kinderrechte: Da war doch was
Die ASK beschränkt sich nicht auf Lankow. Gleich mehrere Beschlüsse der Stadtvertretung seien unter Ehlers‘ Aufsicht mangelhaft umgesetzt worden: der Klimanotstandsbeschluss, der Prüfauftrag „Kinderfreundliche Kommune“ und der Beschluss zum „Platz der Kinderrechte“. Besonders pikant: Das Deutsche Kinderhilfswerk hatte die Rechtswidrigkeit des Vorgehens beim Lankow-Spielplatz festgestellt. Ehlers‘ Reaktion darauf soll gewesen sein, es schlicht zu ignorieren.
„Ein Stadtpräsident, der bei Kinderrechten beide Augen zudrückt und beim Wahlkampf beide Hände aufhält, hat ein Glaubwürdigkeitsproblem.“
Ein Schweriner Vater, der den Spielplatz regelmäßig nutzt und langsam den Überblick verliert, wer jetzt für oder gegen seine Kinder ist
Die Ironie des Ganzen: Der Bürgerentscheid, den Ehlers‘ CDU unbedingt als Sondertermin im Januar haben wollte, hat die Stadt über 150.000 Euro gekostet. Eine Zusammenlegung mit der OB-Wahl hätte den Großteil davon gespart. Aber was sind schon 150.000 Euro, wenn man dafür einen Spielplatz retten kann, der gar nicht kaputt war.
Dass der Abwahlantrag praktische Erfolgsaussichten hat, darf bezweifelt werden. Dafür bräuchte es eine Zwei-Drittel-Mehrheit in der Stadtvertretung, und die hat in Schwerin traditionell höchstens die Unzufriedenheit. Aber als Wahlkampf-Dynamit vier Wochen vor der OB-Wahl? Da könnte Ehlers‘ ohnehin angeschlagene „Ich bin der Erfahrene“-Kampagne noch ein paar Kratzer abbekommen.
Der OB-Kandidat, der nicht mal seinen aktuellen Job behalten kann, will einen größeren. Schwerin 2026 schreibt die besten Drehbücher.
Mehr zur OB-Wahl: Ehlers will jetzt Miteinander · OB-Wahl als Speed-Dating
Quellen: schwerin.news, NDR MV
Schwerin ist Geil auf WhatsApp
Tägliche Satire-News direkt aufs Handy. Kein Spam, nur Geilheit.
Jetzt Kanal abonnierenKostenlos · Kein Gruppenchat · Jederzeit abbestellbar
