Die Landeshauptstadt Schwerin hat einen historischen Schritt gewagt: Ab sofort kostet das Benutzen von fünf öffentlichen Toiletten im Stadtgebiet 50 Cent. Die Stadtvertretung beschloss die Einführung der Gebühr mit Mehrheit — und wischte dabei gleich die Bedenken des Kinder- und Jugendrats vom Tisch.
Schlachtermarkt, Grüne Straße, Platz der Freiheit — Pinkeln wird Premium
Die Standorte lesen sich wie ein Rundgang durch Schwerins touristische Highlights: Schlachtermarkt, Altstadt-Parkplatz Grüne Straße, Platz der Freiheit und Berliner Platz. Das Zentrale Gebäudemanagement (ZGM) der Stadt spricht von „stark frequentierten und infrastrukturell bedeutsamen Standorten mit öffentlichem Charakter“. Auf Deutsch: Da müssen viele Leute aufs Klo.
Besonders pikant: Die Toilette am Platz der Freiheit ist aktuell defekt. Sie soll aber „mit der Umstellung auf die 50-Cent-Gebühr in Ordnung gebracht werden“. Man repariert das Klo also erst, wenn man Geld dafür verlangen darf. Schwerin im Jahr 2026.
„Steigende Betriebskosten und ein dauerhaft hoher Zuschussbedarf“ — so begründet das ZGM die Gebühr. Vandalismus werde dadurch auch weniger, heißt es. Weil bekanntlich niemand eine Toilette beschädigt, die 50 Cent kostet.
ASK-Stadtvertreter Karsten Jagau mahnte an, dass Kinder und Jugendliche die 50 Cent „vielfach nicht aufbringen“ könnten. Sein Ersetzungsantrag wurde abgelehnt. Offenbar soll der Nachwuchs in Schwerin früh lernen, dass in der Landeshauptstadt nichts umsonst ist — nicht einmal der Personalausweis.
41.000 Euro Ersparnis — der große Klo-Jackpot
Die Stadt verspricht sich satte 41.000 Euro weniger Zuschussbedarf pro Jahr. Bei geschätzten Kosten für die Umrüstung auf Bezahlsysteme, die „erst noch geplant werden müssen“, dürfte sich das Investment frühestens im nächsten Jahrzehnt amortisieren. Aber hey — langfristiges Denken ist ja eine Stärke der Schweriner Stadtverwaltung.
Immerhin: Die Toiletten am Bertha-Klingberg-Platz, am Spielplatz der Atolle und am Lankower See bleiben kostenlos. Sie hätten laut Verwaltung einen „besonderen Sozial- oder Freizeitbezug“. Am Schlachtermarkt hat man offensichtlich weder soziale Bedürfnisse noch Freizeit.
Der Behindertenbeirat fordert derweil den flächendeckenden Einbau von Euro-WC-Schlössern, damit Menschen mit Behinderung überhaupt Zugang haben. Vize-OB Bernd Nottebaum (CDU) versprach Besserung — konnte aber keinen Termin nennen. Das kennt man in Schwerin.
Quellen: Nordkurier
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