Seit Februar 2026 kostet der Personalausweis bundesweit 46 Euro. Vorher waren es 37. Neun Euro mehr dafür, dass die Bundesdruckerei einem bestätigt, dass man existiert. Die Stadt Schwerin ist darüber nicht erfreut und kritisiert die Preispolitik der Bundesdruckerei. Zu Recht.
Der Bund erhöht, die Kommune zahlt drauf
Für Personen ab 24 Jahren sind es jetzt 46 Euro für zehn Jahre Gültigkeit. Unter 24 zahlt man 27,60 Euro statt bisher 22,80 Euro, bekommt den Ausweis aber nur sechs Jahre lang. Richtig absurd wird es beim Reiseausweis als Passersatz: Von 8 auf 32 Euro. Eine Vervierfachung. An der Grenze ohne Pass erwischt zu werden, ist damit offiziell ein Luxusproblem.
„Die Bürgerinnen und Bürger laden ihren Unmut über die beträchtliche Steigerung der Gebühren nicht selten bei uns im Bürgerservice ab, dabei teilen wir den Unmut über diese unabgestimmte Kostenerhöhung.“
Silvio Horn, zuständiger Dezernent für den Bürgerservice
Das Zitat von Dezernent Horn ist bemerkenswert ehrlich für Schweriner Verwaltungsverhältnisse. Übersetzt heißt es: Die Leute schreien uns an, und wir können nichts dafür. Die Kommune hat null Einfluss auf die Gebühren, muss sie aber eintreiben und sich dafür beschimpfen lassen. Kommunalpolitik in Deutschland, Ausgabe 2026.
Draufzahlgeschäft für die Stadt
Der eigentliche Skandal liegt im Detail: Die Bundesdruckerei verlangt für die Herstellung eines Ausweises für unter 24-Jährige mittlerweile mehr, als die Stadt an Gebühr berechnen darf. Schwerin zahlt also pro jungem Bürger drauf. Zwei Euro Verlust pro Ausweis. Der eigene Verwaltungsaufwand, die Sachbearbeitung, die Infrastruktur? Nicht mal erwähnt. Geschenkt.
In einer Stadt, die sich über jeden überraschenden Haushaltsüberschuss freut wie über eine Mondlandung, ist das Draufzahlen für Bundesleistungen besonders bitter. Berlin macht die Preise, Schwerin macht die Arbeit und zahlt die Differenz. Bürokratische Meisterleistungen kennt man in der Landeshauptstadt ja zur Genüge.
„Neun Euro mehr. Das ist in Schwerin fast ein Mittagessen. Oder zwei Straßenbahnfahrten. Oder die jährliche Gehaltserhöhung im öffentlichen Dienst.“
Ein Bürger nach dem Termin im Bürgerservice
Dass ausgerechnet der Bund, der sonst bei jeder Gelegenheit „Entlastung der Kommunen“ predigt, seine eigene Druckerei nicht im Griff hat, passt ins Bild. Bisher glich der Bund Mehrkosten aus. Jetzt nicht mehr. Die Rechnung geht an die Bürger und an die Kommunen, die das Ganze ausbaden dürfen. Willkommen in der Landeshauptstadt, wo man neuerdings Premium zahlt, um sich ausweisen zu dürfen.
Quellen: SN-Aktuell, Stadt Schwerin
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