Ab morgen, dem 4. März, finden zum 29. Mal die Tage der Alten Musik in Schwerin statt. Organisiert vom Musikverein Mecklenburg-Vorpommern, bespielt die Konzertreihe Kirchen, Schulen und andere Spielstätten der Landeshauptstadt. Diesjähriges Motto: „Maria: Der schönste Klang der Welt in einem einzigen Wort“. In Schwerin, wo sonst eher Worte wie „Haushaltssperre“ und „Sanierungsstau“ die Ohren füllen, eine willkommene Abwechslung.
6.500 Euro für zwei Festivals — Kulturförderung auf Schweriner Niveau
Das Land MV unterstützt die Veranstaltung zusammen mit der Komponistennacht im Greifswalder Dom mit insgesamt 6.500 Euro. Zum Vergleich: Dafür bekommt man in Schwerin auch ungefähr eine Stunde Architektenhonorar beim Alte-Post-Umbau. Oder drei Monate Parkgebühren am Schloss. Dass der Musikverein damit seit 29 Jahren ein Festival auf die Beine stellt, ist weniger Kulturförderung als vielmehr ein Wirtschaftswunder.
„Die Tage der Alten Musik bieten Kulturbegeisterten Jahr für Jahr hochwertige Konzerte mit sonst selten gespielten musikalischen Schätzen an stimmungsvollen Spielorten unserer Landeshauptstadt.“ — Kulturministerin Bettina Martin
Selten gespielte musikalische Schätze an stimmungsvollen Spielorten — das klingt verdächtig nach dem Versuch, aus der Not eine Tugend zu machen. Aber hey, Paulskirche, St. Anna und der Oudry-Saal im Staatlichen Museum sind tatsächlich großartige Orte. Schwerin hat nämlich durchaus Substanz — man muss nur bereit sein, dafür in eine Kirche zu gehen. Was in einer Stadt, deren größte Sehenswürdigkeit der Leerstand ist, schon fast als kulturelle Teilhabe durchgeht.
Schüler nicht nur als Publikum, sondern als Interpreten
Besonders hervorgehoben wird die Einbindung von Schülerinnen und Schülern — nicht nur als Publikum, sondern auch als Interpreten. In einer Stadt, die ihre besten Kulturschaffenden regelmäßig an größere Städte verliert, ist es nur logisch, den Nachwuchs möglichst früh einzubinden. Bevor er alt genug ist, um nach Hamburg zu ziehen.
Die Tage der Alten Musik laufen bis zum 9. März. Wer also diese Woche in Schwerin ist und zwischen Baustellen, Leerstand und geschlossenen Gaststätten nach einem Grund sucht, die Stadt nicht sofort wieder zu verlassen: Hier ist er. Sechs Tage Barockmusik in Kirchen. Schwerin kann Kultur — man muss nur wissen, wo man suchen muss. Und bereit sein, dafür 6.500 Euro auf 29 Jahre hochzurechnen.
Quellen: Regierung MV Pressemitteilung
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