Während andere Bundesländer noch über Vier-Tage-Wochen diskutieren, hat Mecklenburg-Vorpommern das Problem der Überarbeitung längst auf seine Weise gelöst: Man geht einfach nicht hin. 27,5 Tage im Jahr sind Arbeitnehmer im Schnitt krankgeschrieben. Das sind fast sechs Wochen — oder, um es in Schweriner Zeitrechnung auszudrücken: ungefähr die Dauer eines Bauantrags.
Der Abwärtstrend, auf den niemand gewartet hat
Die AOK Nordost feiert die Zahlen tatsächlich als Fortschritt. 2022 lag der Schnitt noch bei 28,8 Tagen — MV ist also auf dem besten Weg, bis 2030 vielleicht auf 25 Tage zu kommen. Damit würde man sich auf dem Niveau einer schweren Grippe einpendeln. National betrachtet bleibt MV allerdings Spitzenreiter in einer Disziplin, in der man eigentlich nicht gewinnen möchte.
75 von 100 Krankschreibungen gehen auf Erkältungen zurück. Die restlichen 25 vermutlich auf den Versuch, bei Gegenwind zum Arbeitsplatz zu radeln.
Neben den klassischen Atemwegsinfekten machen psychische Erkrankungen einen immer größeren Anteil aus. 28 Fehltage pro Fall, ein Anstieg von 61 Prozent seit 2016. Als Gründe nennen Experten steigenden Arbeitsdruck und fehlende Ressourcen — in einem Bundesland, in dem der öffentliche Dienst ohne Ehrenamtliche zusammenbrechen würde.
Muskel-Skelett, Verdauung, Psyche — das volle Programm
Die Top-Diagnosen lesen sich wie ein Beipackzettel für das Leben in MV: Erkältungen (weil die Heizung nicht funktioniert), Rückenprobleme (vom Warten auf den Bus, der nicht kommt), Verdauungsbeschwerden (vom Kantinenessen) und psychische Belastungen (vom Blick auf den Kontoauszug). Herz-Kreislauf-Leiden bilden das Schlusslicht — was verwundert, denn allein die tägliche Pendelstrecke zwischen Schwerin und irgendeinem Gewerbegebiet müsste den Puls dauerhaft auf 180 halten.
Fairerweise muss man sagen: Wer in einem Bundesland arbeitet, das 237 Maßnahmen gegen Bürokratie braucht, der darf sich auch mal eine mentale Auszeit gönnen. Die Frage ist nur, ob die Krankschreibung dann unter „psychische Belastung“ oder „Notwehr“ läuft.
Immerhin: Solange die KI in den Pflegeheimen die Dokumentation übernimmt, kann sich das verbliebene Personal wenigstens in Ruhe krankmelden.
Quellen: Schwerin Lokal
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