Infrastruktur

215 Millionen für Neu Zippendorf: WGS plant so viele Neubauten, dass der Stadtteil sich selbst nicht mehr erkennt

Die Schweriner Wohnungsgesellschaft will 215 Millionen Euro in Neu Zippendorf investieren. Der Stadtteil, der bisher hauptsächlich für seinen Charme der späten DDR-Architektur bekannt war, soll einen Campus, 370 Wohnungen und eine Waldorfschule bekommen. Man könnte fast meinen, jemand hätte die Postleitzahl mit München verwechselt.

138 Millionen für einen Campus — der teuerste Schulweg seit der Wiedervereinigung

Das Herzstück der Investition: ein „Regionales Berufsschulzentrum — Gesundheit und Soziales“ für bis zu 1.000 Schülerinnen und Schüler. Fünf Gebäude, 138 Millionen Euro. Die Ausschreibung startet nächste Woche, Baubeginn soll in einem Jahr sein. In Schwerin-Zeitrechnung bedeutet das: irgendwann zwischen 2027 und dem nächsten Halleyschen Kometen.

„Wir schaffen hier einen modernen Gesundheitscampus für die Region.“ — WGS-Chef Kristian Meier-Hedrich auf der Einwohnerversammlung, während im Publikum jemand fragte, ob es dann auch endlich einen Arzt in der Nähe gibt.

Zusätzlich plant die WGS ein komplettes Wohnquartier mit 370 Wohnungen auf 25.000 Quadratmetern. Baubeginn: Sommer 2027. Investition: 77 Millionen Euro. Für Schwerin ist das ungefähr so, als würde ein Goldgräber plötzlich in einen Stadtteil investieren, in dem man bisher billig wohnte, weil keiner wohnen wollte.

Waldorfschule inklusive — für ganzheitliche Bildung zwischen Plattenbauten

Auch die Waldorfschule Schwerin hat Neu Zippendorf entdeckt und plant an der Perleberger Straße eine neue Schule mit Kita und Hort. Allerdings steht man „noch ganz am Anfang“, was in der Waldorf-Pädagogik vermutlich heißt: Die Eurythmie-Halle ist noch in der Traumphase.

Ob die Anwohner die Veränderung begrüßen oder fürchten, zeigte sich auf der Einwohnerversammlung am Donnerstag. Die Erfahrung mit Großbaustellen in Schwerin lehrt schließlich: Ankündigen kann jeder. Fertigwerden ist die Königsdisziplin.

Immerhin: Mit 215 Millionen Euro fließt mehr Geld nach Neu Zippendorf als der Stadtteil in den letzten 30 Jahren insgesamt gesehen hat. Wenn auch nur die Hälfte davon tatsächlich verbaut wird, wäre das immer noch mehr als die meisten Schweriner für möglich gehalten hätten. Und leere Technologie-Parks beweisen ja: An ambitionierten Schildern mangelt es der Stadt nie.

Bildquelle: Kevin Waterhouse / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Quellen: NDR MV, Schwerin Lokal

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