Schwerin hat bereits den größten Batteriespeicher der WEMAG. Reicht das? Natürlich nicht. Ein Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen will jetzt einen Speicher bauen, der 80-mal größer ist. In Görries. Auf einer Fläche, für die schon Anfang der 2000er ein Solarpark genehmigt war — der nie gebaut wurde. Willkommen in Schwerin, wo Energieprojekte erstmal 25 Jahre reifen wie guter Käse.
3,3 Hektar, ein Umspannwerk und sehr viele Nullen
1,7 Gigawattstunden Kapazität — das ist genug Strom, um Schwerins Straßenlaternen für eine gefühlte Ewigkeit am Leuchten zu halten. Falls sie denn mal funktionieren. Die Investition liegt im „dreistelligen Millionenbereich“ — eine Formulierung, die alles zwischen 100 Millionen und 999 Millionen Euro bedeuten kann. Genauigkeit ist offenbar erst nach dem Bebauungsplan-Verfahren vorgesehen.
Ein großes Umspannwerk in der Nähe macht die Fläche „sehr sinnvoll“ für Energieanlagen. Das wusste man auch schon 2002. Damals hat nur niemand angefangen.
Der gespeicherte Windstrom von der Küste soll an der Strombörse verkauft werden. Schwerin wird also zum Zwischenlager für norddeutschen Wind — eine Rolle, die die Stadt bisher nur metaphorisch beim Digitalisierungstempo ausgefüllt hat.
Mehrere Investoren, ein Bebauungsplan und viel Geduld
Das Bebauungsplan-Verfahren soll noch 2026 durchlaufen werden. Erfahrene Schweriner wissen: „Soll durchlaufen werden“ und „wird durchlaufen“ sind in dieser Stadt zwei grundverschiedene Aussagen. Fragen Sie die 85-Millionen-Euro-Archiv-Baustelle.
Immerhin: Wenn der Speicher tatsächlich kommt, wäre Görries plötzlich energietechnisch relevanter als der Rest der Stadt zusammen. Ein Stadtteil, der bisher eher für Männeryoga und Gewerbegebiete bekannt war, würde zum Batterie-Bezirk. Ob die Anwohner das schon wissen?
Quellen: tagesschau.de / NDR
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