Die Stadtverwaltung Schwerin hat auf eine Anfrage der Fraktion Unabhängige Bürger/FDP die aktuellen Zahlen zum sozialen Wohnungsbau vorgelegt. Das Ergebnis liest sich wie ein Armutszeugnis, das sich als Erfolgsmeldung verkleidet hat: Seit 2019 sind in der Landeshauptstadt exakt 109 Sozialwohnungen entstanden. In sieben Jahren. Das sind rund 15 Wohnungen pro Jahr — oder, für Schwerin-Verhältnisse ausgedrückt: fast eine pro Monat.
109 Wohnungen für eine Landeshauptstadt — das ist kein Fundament, das ist ein Stolperstein
Verteilt sind die Wohnungen auf gerade mal vier Stadtteile: 48 in der Werdervorstadt, 30 in Lankow, 17 im Großen Dreesch und 14 in der Paulsstadt. Mehr gibt es nicht. Für eine Landeshauptstadt mit knapp 100.000 Einwohnern und wachsendem Druck auf dem Mietmarkt ist das nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein — das ist der Versuch, einen Waldbrand mit einer Sprühflasche zu löschen.
Die Fördermöglichkeit besteht seit 2019. Das Ergebnis nach sieben Jahren: 109 Wohnungen. Wer darin eine Erfolgsgeschichte sieht, muss den Begriff Erfolg sehr großzügig auslegen.
Natürlich hat die Verwaltung auch gute Nachrichten im Gepäck — zumindest auf dem Papier. Für elf Bauvorhaben mit insgesamt 560 Wohnungen wurde die „Bestätigung der Belegenheitsgemeinde“ erteilt. Das klingt nach Aufbruch, ist aber vor allem bürokratischer Nebel. Denn wie die Stadt selbst einräumt, sind manche dieser Vorhaben zwar im Bau, für andere wurde aber noch nicht einmal eine Baugenehmigung beantragt. In MV-typischer Manier wird also erstmal ausgiebig bestätigt, bevor irgendwas passiert.
Die elegante Kunst der Zuständigkeitsflucht
Besonders schön ist die Passage zur Verantwortung. Die Stadt erklärt, sie habe „keinen unmittelbaren Einfluss auf die Fördermittelakquise“ — die Bauherren beantragten die Mittel schließlich selbst beim Landesförderinstitut. Schwerin sehe seine Aufgabe vor allem darin, Wohnbauflächen zu planen und Baugenehmigungen zügig zu erteilen. Das ist ungefähr so, als würde ein Koch sagen: „Ich bin nur für die Teller zuständig. Was drauf kommt, liegt am Lieferanten.“
Pikant wird es bei den Zahlen: Der zurückgetretene Oberbürgermeister hatte einst 44 Sozialwohnungen für die Paulsstadt bis 2027 angekündigt. In der aktuellen Antwort tauchen dort nur noch 38 auf. Sechs Wohnungen — einfach verschwunden. Wie bei der Spielplatz-Demokratie zeigt sich auch hier: Was Schwerin ankündigt und was am Ende dabei rauskommt, sind zwei verschiedene Paar Schuhe.
Am Ende bleibt eine simple Rechnung: 109 Wohnungen existieren. 560 werden versprochen. Ein Wohnberechtigungsschein nützt wenig, wenn der passende Wohnraum kaum vorhanden ist. Aber hey — wenigstens hat Schwerin gerade ein Viertel, in dem man leben will. Man muss sich nur eine der 109 Wohnungen sichern. Viel Glück.
Quellen: schwerin.news
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