Schwerin hat ein Problem, das bundesweit einzigartig ist: Es gibt zu wenig Wohnungen. Nicht zu wenig Wohnungen für Menschen, die hier leben wollen — denn die gibt es reichlich. Sondern zu wenig Wohnungen für Menschen, die es theoretisch geben könnte, wenn man nur genug Wohnungen baut.
175 Wohnungen neben dem Speicher-Hotel
Am Kranweg, direkt neben dem Speicher-Hotel am Ziegelsee, will die HTG Hoch- und Tiefbau Gadebusch ein Wohnhaus mit bis zu 175 Wohnungen errichten. 75 davon sollen 1-Raum-Wohnungen werden. Zielgruppe laut Baudezernent Bernd Nottebaum: Studenten. In Schwerin. Studenten.
Zur Einordnung: Die Fachhochschule des Mittelstands hat in Schwerin ungefähr so viele Studenten wie der Ziegelsee Enten. Und die Enten sind organisierter. Aber gut, man baut ja auch Flughäfen für Passagiere, die nie kommen — warum nicht auch Studentenwohnungen für eine Stadt, in der das Durchschnittsalter bei gefühlten 57 Jahren liegt?
Die Bürgerinitiative verlässt den Saal
Bei einer Einwohnerversammlung Anfang Januar kamen über 100 Anwohner. Was folgte, war weniger Dialog und mehr Massenexodus: Die Bürgerinitiative verließ wutentbrannt den Saal, weil der Investor HTG weitere Zugeständnisse ablehnte. Die Stadt will das Vorhaben trotz aller Kritik genehmigen.
Wir haben hier schon jetzt keine Parkplätze, und dann sollen noch 240 Leute dazukommen? Das Einzige, was bei uns wächst, sind die Probleme.
Das Argument der Stadtverwaltung: Es gebe Tiefgaragen mit genügend Stellplätzen, die kaum jemand nutze. 141 neue Stellplätze sollen dazukommen. Dass die bestehenden Tiefgaragen-Plätze leer stehen, liegt laut Anwohnern daran, dass sie unbezahlbar sind — aber solche Details stören beim Planen nur.
Die Schwerin-Logik
Man muss die Schweriner Stadtplanung wie ein Kunstwerk betrachten: Es geht nicht um Funktion, sondern um Vision. 175 Wohnungen am See für eine Zielgruppe, die nicht existiert. Gutachten über leerstehende Hotels, die niemand liest. Tiefgaragen, die niemand nutzt. Es passt alles zusammen, wenn man aufhört, nach Logik zu suchen.
Immerhin: Das Projekt würde erstmals seit Jahren etwas am Ziegelsee verändern, das nicht das Wetter ist. Und wer weiß — vielleicht kommen die Studenten ja wirklich. Schwerin hat ja auch darauf gewartet, dass die Jugend zurückkommt. Seit ungefähr 1993.
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