Kurioses

Wismarer Kreuzfahrtschiff passt gerade so durch den Panamakanal

Panama-Stadt / Wismar – Die „Disney Adventure“ ist am Montag durch den Panamakanal gefahren. Das in Wismar gebaute Kreuzfahrtschiff ist mit 342 Metern Länge offiziell das größte, das die Wasserstraße jemals durchquert hat. Willkommen in Mecklenburg-Vorpommern, wo wir Weltrekorde bauen, die dann woanders hinfahren.

Mit 49 Metern Breite passt der Koloss gerade so durch die 52-Meter-Schleusen. Das sind drei Meter Spielraum. Weniger Platz als ein durchschnittlicher Schweriner zwischen Radfahrer und Bordsteinkante hat. Aber immerhin: Unser Schiff ist so groß, dass es fast nicht mehr durchpasst. Das ist mehr, als unsere geliebte Landeshauptstadt über ihre ÖPNV-Infrastruktur sagen kann.

Made in MV, bleibt nicht in MV

Die Panamakanal-Behörde feierte die Durchfahrt als „Meilenstein in der 112-jährigen Geschichte des Kanals“. Für Wismar ist es ein stolzer Moment. Für Schwerin eher ein Déjà-vu: Wieder wandert etwas Großes ab, kaum dass es fertig ist. Das Schiff macht jetzt dasselbe wie die Schulabgänger der Schweriner Gymnasien: Es geht nach Asien, wo die Zukunft ist.

Es war eng, aber wir haben es geschafft. Wie immer, wenn man aus MV kommt und irgendwo ankommen will.

Fiktiver Kapitän, der definitiv existiert

Das Schiff gehört zur sogenannten Neopanamax-Klasse – Schiffe, die die 2016 eröffnete Erweiterung des Kanals gerade noch durchfahren können. Man könnte auch sagen: Es ist exakt so groß dimensioniert, dass es noch funktioniert. In Schwerin kennt man das Konzept. Die Straßenbahnen aus 2003 fahren auch noch. Irgendwie.

Schwerin gratuliert aus der Ferne

In der Landeshauptstadt herrscht derweil verhaltene Begeisterung. „Wismar? Haben die nicht auch diesen einen Hafen?“, fragte ein Passant am Pfaffenteich. „Wir haben das Schloss.“ Ein starkes Argument, das allerdings noch durch keinen internationalen Kanal gepasst hat.

Die Disney Adventure ist jetzt auf dem Weg nach Singapur, wo sie ab Oktober als erstes Disney-Kreuzfahrtschiff in Asien operieren wird. Dort gibt es keine Schleusen, nur Wirtschaftswachstum. Zurück bleibt Mecklenburg-Vorpommern mit dem Stolz, etwas gebaut zu haben, das jetzt anderen gehört. Aber immerhin: Die MV-Werften-Insolvenz von 2022 ist damit endgültig aufgearbeitet. Nicht.

Quelle: NDR

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