Am 1. März ist Welttag des Kompliments. Ein Tag, an dem sich Menschen gegenseitig nette Dinge sagen sollen. In Schwerin hat man das offenbar wörtlich genommen – und mangels anderer Empfänger kurzerhand das eigene Leitungswasser gelobt.
Die „Schweriner Rohrperle“: Wenn Wasser ein Ego bekommt
Die Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsgesellschaft Schwerin (WAG) – ein Name, der allein schon nach Abenteuer klingt – hat sich entschlossen, dem Schweriner Trinkwasser ein öffentliches Kompliment auszusprechen. Nicht irgendeins, wohlgemerkt: Man nennt es liebevoll die „Schweriner Rohrperle“.
Der Anlass: Ab März gelten neue, strengere Grenzwerte für sogenannte PFAS – „Ewigkeitschemikalien“, die sich in der Umwelt ungefähr so hartnäckig halten wie Schweriner Baustellen. Die gute Nachricht: Das Schweriner Wasser hält alle Werte ein. Die weniger gute: Man musste dafür offenbar eine eigene Pressemitteilung rausgeben.
„Die Schweriner Rohrperle erfüllt alle aktuellen und auch die zukünftig strengeren Qualitätsanforderungen.“ – WAG Schwerin, die sich selbst zum Welttag des Kompliments ein Kompliment macht
Zur Einordnung: In anderen Städten feiert man am Welttag des Kompliments die Mitarbeiter, die Partner, die Nachbarn. In Schwerin feiert man H₂O. Das sagt mehr über die Stadt aus als jede Imagekampagne.
PFAS, Blei und die Frage: Was ist eigentlich in den Rohren?
Die neuen Grenzwerte betreffen vor allem PFAS-20 – eine Gruppe von 20 Chemikalien, die man in Schwerin offenbar besser kennt als den eigenen Zeitplan bei Infrastrukturprojekten. Ab 2028 wird es noch strenger: Dann gelten Grenzwerte für PFAS-4, und wer bis dahin noch Bleirohre im Keller hat, sollte sich langsam Sorgen machen – nicht ums Wasser, sondern um den Installateur-Termin.
Die WAG betont stolz, ihre eigenen Bleileitungen bereits 2013 ausgetauscht zu haben. Was in den Häusern passiert, sei allerdings Sache der Eigentümer. Sprich: Die Stadt plant 13 Jahre am Fahrradparkhaus, aber für die Bleirohre im Altbau ist der Vermieter zuständig. Schwerin in einer Nussschale.
Immerhin: Wer dem Ganzen nicht traut, kann die Messwerte online einsehen. Transparenz, die man sich bei manchen anderen Schweriner Projekten auch wünschen würde.
Bildquelle: Jim Luo / Unsplash
Quellen: schwerin.news
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