Politik

Weltgästeführertag: Schwerin zeigt, was es hat – oder auch nicht

SCHWERIN – Am 22. Februar lädt der Schweriner Gästeführer e. V. zum Weltgästeführertag ein – und das mit einem Programm, das selbst eingefleischte Schwerin-Kenner ins Grübeln bringt. 21 kostenfreie Führungen sollen Einheimischen und Gästen zeigen, was die Stadt zu bieten hat. Das Motto: „Mit offenen Augen“. Ein Hinweis, der in Schwerin durchaus als Warnung verstanden werden darf. Der Aktionstag, koordiniert vom Bundesverband der Gästeführer, macht weltweit auf „Qualität, Professionalität und Engagement zertifizierter Guides“ aufmerksam. In Schwerin wird daraus eine Demonstration der Kreativität: Wie zieht man aus einer Stadt mit überschaubarem touristischem Potenzial ein Programm, das aussieht, als gäbe es viel zu entdecken? Die Antwort: Wiederholung und Fantasie. Gleich vier Führungen durch das Staatliche Museum garantieren, dass niemand Rembrandt, Barlach oder DDR-Kunst verpassen muss – selbst wenn man wollte. Wer lieber draußen bleibt, kann sich auf die Suche nach „Drachen und Fabelwesen“ machen, die „auf 13 geheimnisvollen Messingtafeln im Altstadtpflaster“ versteckt sein sollen. Dass die Stadt Messingtafeln ins Pflaster eingelassen hat, um Touristen eine Schnitzeljagd zu bieten, sagt bereits viel über die lokale Verzweiflung. Besonders ambitioniert: die Führung „Schwerin mit anderen Augen sehen – Verborgenes und wenig beachtete Details im Stadtbild entdecken“. Die spannende Frage ist natürlich, ob die Details absichtlich verborgen wurden oder einfach niemand hinschaut. Auch die Tour „Die geheimen Details der Hausgesichter“ verspricht „Ornamente, Symbole und kleine Architekturgeschichten an Hausfassaden“. Man könnte auch sagen: gucken, was an den Häusern dran ist. Ein Highlight dürfte die Führung „Entlang der alten Straßenbahnlinie“ sein – von der Werderkaserne bis zur Mecklenburgstraße. Eine Route, die vermutlich deshalb so spannend ist, weil die Straßenbahn längst nicht mehr fährt. Nostalgie pur. Wer es weniger wehmütig mag, begleitet am Abend den Nachtwächter „durch die dunklen Gassen der Altstadt“ – wobei unklar bleibt, ob die Dunkelheit historisch rekonstruiert oder einfach Resultat kaputter Straßenlaternen ist. Im vergangenen Jahr nahmen über 500 Menschen an den Rundgängen teil – ein Zeichen für großes Interesse oder schlicht dafür, dass man kostenfreie Veranstaltungen in Schwerin nicht ausschlägt. Der Verein verspricht „neue Blickwinkel auf Bekanntes und vermeintlich Vertrautes“. Oder anders gesagt: Wir zeigen euch, wie man aus dem immer Gleichen noch was rausholen kann. Übrigens: Wer an diesem Tag keine Lust auf Schwerin hat, kann alternativ nach Rerik fahren. Dort gibt es ebenfalls eine Führung. Auch das ein Statement.

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