Kurioses

Weltgästeführertag in Schwerin: Stadtführung nach 47 Minuten beendet – Gästeführerin hatte bereits alles gezeigt

Schwerin. Zum diesjährigen Weltgästeführertag bot die Landeshauptstadt erstmals eine „Große Schwerin-Tour“ an, die laut Programm drei Stunden dauern sollte. Nach 47 Minuten stand die Gruppe wieder am Ausgangspunkt. Gästeführerin Hannelore Pumpmatz (63) hatte sämtliche Sehenswürdigkeiten der Stadt abgearbeitet – inklusive zweier ungeplanter Raucherpausen und einem Toilettengang im Schloss.

„Danach hätte ich nur noch Parkplätze zeigen können“

„Wir standen am Schloss, ich habe zum Pfaffenteich gezeigt, dann zum Dom, dann zum Staatstheater, und plötzlich war mir klar: Das war’s“, schilderte Pumpmatz die Situation gegenüber dem Dezernat für Tourismusverzögerung. Sie habe versucht, die Tour zu strecken, indem sie bei jeder Straßenlaterne stehen blieb und deren Baujahr erwähnte. „Aber irgendwann merken die Leute, dass man improvisiert.“

Die 14 Teilnehmer – darunter elf Rentner aus Pinneberg, ein verwirrter Geschäftsreisender und zwei Touristen aus Dänemark, die eigentlich nach Rostock wollten – reagierten unterschiedlich. Während die Pinneberger Delegation die Kürze der Tour lobte („In unserem Alter ist weniger mehr“), verlangten die Dänen ihr Geld zurück. Da die Führung kostenlos war, konnte diesem Wunsch nicht entsprochen werden.

„Ich mache seit 22 Jahren Stadtführungen in Schwerin. Früher dauerten die noch anderthalb Stunden. Aber seitdem der letzte Laden am Marienplatz zugemacht hat und das Nachtleben in die Kleingärten abgewandert ist und das Café an der Schelfkirche nur noch dienstags öffnet, wird die Route jährlich kürzer.“

Hannelore Pumpmatz, Gästeführerin seit 2004

Schwerin-Marketing plant „Entschleunigungs-Konzept“

Die Schwerin-Marketing GmbH reagierte auf den Vorfall mit der Ankündigung eines „innovativen Entschleunigungs-Konzepts“. Künftig sollen Stadtführungen in Schwerin bewusst langsamer gestaltet werden: 15 Minuten Meditation vor dem Schloss, 20 Minuten stilles Betrachten des Pfaffenteichs und eine halbstündige „Achtsamkeits-Station“ auf dem Marienplatz, bei der die Teilnehmer die Stille der Innenstadt „bewusst erleben“ sollen.

„Andere Städte haben Sehenswürdigkeiten. Wir haben Entschleunigung“, erklärte ein Sprecher der Marketing-Gesellschaft. Man habe sich das Konzept bei einem Achtsamkeits-Retreat auf Bali abgeschaut und sei überzeugt, dass Schwerin „die erste Stadt Deutschlands werden könnte, in der Langeweile als Premium-Erlebnis vermarktet wird“. Immerhin habe man auch schon Schrumpfung als Wachstum verkauft“.

Gästeführerin Pumpmatz äußerte sich skeptisch: „Ich kann die Leute schlecht eine halbe Stunde auf den Marienplatz stellen und sagen: Spüren Sie die Leere. Die spüren die auch ohne Anweisung.“ Für den nächsten Weltgästeführertag plant sie dennoch eine verlängerte Tour. „Ich überlege, ob ich den Parkplatz am Sieben-Seen-Center mit reinnehme. Der hat immerhin 400 Stellplätze. Da kann man eine Weile drüber reden.“

Hinweis: Dieser Artikel ist Satire.

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