Kultur

UNESCO erkennt Schweriner Internet als immaterielles Kulturerbe an: „So etwas Langsames muss man schützen“

Schwerin darf sich über eine weitere kulturelle Auszeichnung freuen. Nach dem Welterbe-Status für das Schlossensemble hat die UNESCO nun auch das Schweriner Internet in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Grund: Die Übertragungsgeschwindigkeiten in der Landeshauptstadt seien „von einer Langsamkeit, die in der modernen Welt sonst nirgends mehr anzutreffen ist“, so das Komitee in einer feierlichen Erklärung.

Expertengremium spricht von „digitalem Weltwunder“

Die Entscheidung fiel einstimmig. Eine Delegation der UNESCO hatte im Januar drei Wochen lang die digitale Infrastruktur Schwerins untersucht und war tief beeindruckt. Projektleiter Henri Duvalle berichtete, sein Team habe während des gesamten Aufenthalts versucht, den Abschlussbericht per E-Mail nach Paris zu senden. Der Vorgang sei bei Abreise noch nicht abgeschlossen gewesen.

In einer Welt, die von Glasfaser und 5G besessen ist, bewahrt Schwerin eine Internetverbindung, die an die Frühphase der Digitalisierung erinnert. Das ist kulturhistorisch von unschätzbarem Wert.

Henri Duvalle, UNESCO-Sonderbeauftragter für bedrohte Technologien

Besonders die Weststadt hatte es dem Gremium angetan. Dort wurden Upload-Geschwindigkeiten von 2,4 Mbit pro Sekunde gemessen, was laut Duvalle „dem Stand von 2003 entspricht und damit bereits als historisch einzustufen ist“. In der Feldstadt habe ein Teammitglied versucht, ein YouTube-Video zu laden. Nach 45 Minuten brach er den Versuch ab und ging stattdessen ins Büro des kürzlich zurückgetretenen Chief Digital Officers, das allerdings seit drei Tagen verwaist war.

Stadt reagiert mit Stolz und neuem Förderprogramm

Im Schweriner Rathaus wurde die Nachricht mit zurückhaltender Euphorie aufgenommen. Der Dezernent für Digitales und Geduld, Hartmut Kabelbach, sprach von einem „historischen Tag für die Landeshauptstadt“. Man habe seit Jahren daran gearbeitet, das bestehende Niveau zu halten, und fühle sich nun bestätigt.

Konkret plant die Stadt nun, sogenannte „Erlebniszonen“ einzurichten, in denen Touristen die originale Schweriner Internetgeschwindigkeit am eigenen Gerät erfahren können. An der Smart-City-Parkbank am Pfaffenteich soll eine Informationstafel angebracht werden, die erklärt, warum das dortige WLAN langsamer ist als ein Fax.

Wir hatten überlegt, die Nachricht per Pressemitteilung rauszugeben, aber der Upload hätte bis Freitag gedauert. Also haben wir einfach angerufen.

Hartmut Kabelbach, Dezernent für Digitales und Geduld

Die lokale Gründerszene im neuen Coworking-Space reagierte gelassen. Man sei es gewohnt, Geschäftsideen auf Papier zu entwickeln. Der Glasfaserausbau, der für 2019 angekündigt war, wurde inzwischen selbst zum Kulturerbe erklärt: als „immaterielles Versprechen“.

Einzig die Schweriner Jugend zeigte sich wenig begeistert. Eine 17-Jährige, die auf der Warteliste für einen Studienplatz in Hamburg steht, kommentierte das Ergebnis knapp: „Cool. Kann ich das als Grund für meinen Umzugsantrag angeben?“ Die Stadt prüft derzeit, ob der UNESCO-Status die Einführung von schnellerem Internet rechtlich ausschließt.

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