Gesellschaft

SVZ druckt versehentlich leere Seite — kein Leser bemerkt Unterschied

Schwerin. Bei der Produktion der Schweriner Volkszeitung ist am Freitagmorgen ein Druckfehler aufgetreten: Auf Seite 7 der Lokalausgabe erschien statt des geplanten Artikels über die Sanierung eines Radwegs in Lankow eine komplett leere Seite. Das Bemerkenswerte: Bis Redaktionsschluss meldete sich kein einziger Leser.

„Wir haben den Fehler erst bemerkt, als die Buchhaltung die Papierkosten kontrolliert hat“, räumte Chefredakteur Sven-Uwe Möller (Name geändert) gegenüber SIG ein. „Normalerweise kriegen wir bei jedem Tippfehler drei Anrufe. Aber eine komplett leere Seite? Nichts. Absolute Stille.“

Leserschaft zeigt sich zufrieden

Eine spontane Umfrage unter SVZ-Abonnenten am Pfaffenteich ergab ein erstaunlich positives Bild. „Seite 7? War das nicht die mit dem schönen weißen Platz zum Einkaufsliste-Schreiben?“, fragte Renate K. (74) aus der Feldstadt. Ihr Mann Horst ergänzte: „Ehrlich gesagt lese ich seit 2019 nur noch die Todesanzeigen und den Wetterbericht. Den Rest macht meine Frau, und die schläft dabei ein.“

Tatsächlich liegt das Durchschnittsalter der SVZ-Leserschaft bei 63 Jahren. Die Zeitung gehört zum Madsack-Konzern, der wiederum mehrheitlich der SPD-Medienholding DDVG gehört. In Schwerin ist die SVZ die einzige Tageszeitung. Eine Monopolstellung, die sich laut Kritikern zunehmend auch inhaltlich bemerkbar macht.

„Eine leere Seite in der SVZ ist wie ein leerer Stuhl in der Stadtvertretung: Fällt nicht auf, ändert nichts, und am Ende klatschen trotzdem alle.“

Anonymer Mitarbeiter der Schweriner Stadtverwaltung

Redaktion erwägt Wiederholung

Intern soll der Vorfall inzwischen für Diskussionen sorgen. Dem Vernehmen nach prüft die Redaktion, die leere Seite als festes Format einzuführen. „Wir könnten es Raum für Gedanken nennen“, soll ein Redakteur vorgeschlagen haben. „Oder Schweigen für Schwerin. Das wäre zumindest ehrlicher als mancher Kommentar.“

Der Vorschlag wurde mit der Begründung abgelehnt, dass leere Seiten keine Anzeigenkunden generieren. Die einzige Ausnahme: Ein Bestattungsinstitut aus Lankow hat bereits angefragt, ob man die Fläche buchen könne. „Passt thematisch“, so die Begründung.

Die Madsack-Zentrale in Hannover wollte den Vorfall auf Anfrage nicht kommentieren. Ein Sprecher verwies auf die „hohe journalistische Qualität aller Regionalausgaben“ und legte auf. Die SVZ selbst berichtete nicht über den Vorfall. Was irgendwie auch wieder zum Thema passt.

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