Schwerin. Seit die Landeshauptstadt ohne Oberbürgermeister auskommen muss, haben Verwaltungsexperten eine beunruhigende Entdeckung gemacht: Es hat sich absolut nichts verändert. Die Straßen sind weiterhin kaputt, die Straßenbahn fährt weiterhin auf exakt vier Linien, und der Pfaffenteich riecht weiterhin nach Pfaffenteich.
„Wir haben sämtliche Kennzahlen verglichen“, erklärte Prof. Dr. Hartmut Niemeyer vom Institut für kommunale Sinnlosigkeit in Rostock. „Bürgeranfragen-Bearbeitungszeit, Schlagloch-Neubildungsrate, Abwanderungsquote junger Menschen – alles identisch. Statistisch gesehen ist der Oberbürgermeister von Schwerin eine Nullstelle.“
Verwaltung läuft auf Autopilot – seit Jahrzehnten
Insider berichten, dass die Schweriner Stadtverwaltung ohnehin seit Jahren im sogenannten „Schloss-Modus“ operiere – einem Zustand institutioneller Trägheit, der weder durch Anwesenheit noch durch Abwesenheit einer Führungsperson beeinflusst werden könne. „Das ist wie bei einem Kreisverkehr ohne Ausfahrt“, so ein Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte. „Man fährt einfach weiter im Kreis.“
„Ich hab erst aus der Zeitung erfahren, dass wir keinen OB mehr haben. Dachte, der sitzt noch im Schloss und guckt aus dem Fenster.“
Rentnerin Edelgard P. (74) am Pfaffenteich
Die Nachricht, dass die Stadt derzeit führungslos sei, hat bei der Bevölkerung für moderate Gleichgültigkeit gesorgt. Auf dem Marienplatz befragte Passanten reagierten überwiegend mit Schulterzucken. Ein 43-jähriger Pendler nach Hamburg kommentierte lediglich: „Hauptsache, der Regionalexpress fährt. Und der fährt eh nicht pünktlich.“
OB-Wahl: Sieben Kandidaten, null Begeisterung
Die anstehende Oberbürgermeisterwahl wird derweil zur Bewährungsprobe für das Konzept der repräsentativen Demokratie. Mehrere Kandidaten buhlen um ein Amt, dessen Notwendigkeit gerade empirisch widerlegt wird. Ein VOLT-Kandidat möchte von Schwerin aus die Vereinigten Staaten von Europa gründen. Ob er dabei die 98.308 verbliebenen Einwohner der kleinsten Landeshauptstadt Deutschlands als Gründungsmitglieder einplant, ist unklar.
Die Stadtverwaltung teilte mit, dass sie die Ergebnisse der Studie „mit Interesse zur Kenntnis genommen“ habe und nun prüfe, ob man den Posten des Oberbürgermeisters durch einen Schwan am Pfaffenteich ersetzen könne. Der sei „mindestens genauso präsent und deutlich fotogener“.
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