Politik

Strandhotel Zippendorf: Nach 20 Jahren Leerstand liegt endlich ein 800-Seiten-Gutachten vor

Schwerin zeigt einmal mehr, dass es in Sachen Entscheidungsfindung zu den geduldigsten Städten Deutschlands gehört. Das Strandhotel in Zippendorf, seit über zwei Jahrzehnten eine architektonische Mahnwache am Schweriner See, hat jetzt einen neuen Meilenstein erreicht: Ein 800 Seiten starkes Gutachten liegt der Denkmalbehörde vor. Pro Jahr Leerstand also 40 Seiten. Effizienz auf Schweriner Art.

Vom Partyhotel zur Lost-Places-Attraktion

Wo einst ausgelassene Partys gefeiert und Urlauber empfangen wurden, bröckeln heute die Wände. Eingeschlagene Fenster, klapprige Bauzäune und eine Atmosphäre, die selbst den optimistischsten Immobilienmakler zum Weinen bringen würde. Die Zippendorfer haben sich daran gewöhnt. Manche nutzen das Gebäude inzwischen als Orientierungspunkt: Leerstand erkennt man in Schwerin ja mittlerweile mit geschlossenen Augen.

„Da darf nicht nur eine Fassade übrig bleiben. Falls wirklich abgerissen wird, muss ein Neubau dem Strandhotel nachempfunden werden.“

So formuliert es Anwohner Thilo Kreimer, der seit über 20 Jahren in Zippendorf lebt und das Strandhotel in allen Stadien des Verfalls begleitet hat. Zuerst war es ein Hotel, dann eine Ruine, dann ein Denkmal, dann ein Streitfall. Die Frage ist nur: Was kommt als nächstes? Ein Museum für gescheiterte Bauprojekte wäre naheliegend.

Interims-OB Nottebaum prüft „detailliert“

Baudezernent und Interims-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum bestätigte, dass die Unterlagen vorliegen. Die „detaillierte Prüfung“ werde „einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen“. In Schwerin bedeutet das erfahrungsgemäß: Vielleicht klappt’s bis zum 30-jährigen Jubiläum des Leerstands.

Die Eigentümer und Investoren wollen den Abriss forcieren und planen einen „opulenten Neubau“. Allerdings hatte der Denkmalschutz einen Abriss schon einmal abgelehnt. Ob 800 Seiten Gutachten die Meinung ändern? In einer Stadt, die für Beraten statt Machen bekannt ist, darf man gespannt sein.

Die AG Strandhotel, eine Bürgerinitiative aus Zippendorf, hat übrigens bereits über eine Enteignung diskutiert. In Schwerin ist das kein Scherz, sondern Plan C. Direkt nach Plan A (Sanierung) und Plan B (Abriss), die beide seit zwei Dekaden auf ihre Umsetzung warten.

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